Die Junge Uni Waldviertel-Vysocina ist eine grenzüberschreitende Jugenduniversität mit der Region Vysocina, die seit 17 Jahren Jugendliche aus Niederösterreich und Tschechien zusammenbringt. Die Teilnehmenden sind zwischen elf und 14 Jahre alt. Vormittags stehen Vorlesungen auf dem Programm, nachmittags Workshops und Exkursionen.

Das diesjährige Motto lautet „Alles digital?“. Dabei wird Digitalisierung aus unterschiedlichen Blickwinkeln behandelt. Im Programm finden sich etwa die Themen Nachrichten, gesunde Gewohnheiten im Internet sowie künstliche Intelligenz und Demokratie.

Zwischen Nutzen und Grenzen von KI

Für viele Jugendliche ist künstliche Intelligenz mittlerweile selbstverständlich verfügbar. Der Umgang damit wird bei der Jungen Uni deshalb nicht nur aus technischer Perspektive betrachtet. Auch die Frage, wann digitale Hilfsmittel sinnvoll sind und wo ihre Grenzen liegen, spielt eine Rolle.

Teilnehmer Robin Novak aus dem tschechischen Prag sieht die Entwicklung gegenüber noe.ORF.at durchaus kritisch: „Ich finde, dass man das mit der KI nicht übertreiben sollte, weil es nicht immer gut ist, für alles KI zu verwenden.“ Jugendliche sollten seiner Meinung nach auch lernen, Aufgaben ohne künstliche Intelligenz zu bewältigen.

Die Organisatoren wollen daher bewusst "nicht nur die positiven und schönen Seiten der digitalen Welt zeigen, sondern auch die weniger schönen und ein bisschen gefährlichen Sachen“, sagt Hana Happl, die Hauptorganisatorin auf österreichischer Seite. Ziel sei es, bei den Kindern und Jugendlichen mehr Bewusstsein für das Themen zu schaffen.

Wie viel Digitales ist zu viel?

Neben KI ging es in der vergangenen Woche auch um die alltägliche Mediennutzung. Marlies Brezik kennt die Junge Uni aus zwei Perspektiven. Früher nahm sie selbst daran teil, mittlerweile gehört sie zum Betreuungsteam.

Eine der schwierigsten Fragen für junge Menschen sei heute, das richtige Maß zu finden, sagt Brezik. „Wie viel Handy ist okay, wie viel Digitales ist okay, wie viel nicht?“ Auch Computerspiele, soziale Medien und die Gefahr problematischer Nutzung seien Themen, mit denen Jugendliche umgehen müssten.

Das Programm greift diese Fragen unter anderem in der Vorlesung „Internet und gesunde soziale Gewohnheiten“ sowie im Workshop „Wie viel Digital verträgt dein Gehirn?“ auf. Die Verantwortlichen wollen digitale Werkzeuge damit nicht grundsätzlich infrage stellen, sondern einen bewussteren Umgang damit fördern.

Lernen über Sprachgrenzen hinweg

Ein zweiter Schwerpunkt ist seit Beginn der grenzüberschreitende Austausch. Die Junge Uni entstand im Umfeld der niederösterreichischen Landesausstellung 2009 und verbindet seither das Waldviertel mit der tschechischen Region Vysocina. Der interkulturelle Austausch ist ausdrücklich Teil des Konzepts.

Deutsch und Tschechisch wechseln sich während der Woche deshalb laufend ab. Vorlesungen und Workshops werden für die Jugendlichen beider Länder zugänglich gemacht, gemeinsame Freizeitaktivitäten sollen zusätzliche Begegnungen ermöglichen.

Wissenschaftliche und grenzüberschreitende Begegnung

Für Robin Novak ist die Zweisprachigkeit nichts Ungewöhnliches. Er kommt aus Prag und ist selbst zweisprachig aufgewachsen. Für andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedeutet die gemeinsame Woche dagegen auch, erstmals intensiver mit Gleichaltrigen aus dem Nachbarland zusammenzuarbeiten.

Damit geht es bei der Jungen Uni nicht nur darum, wie KI funktioniert oder wie viel Zeit Jugendliche am Smartphone verbringen. Die Woche soll wissenschaftliche Neugier mit digitaler Urteilskraft und grenzüberschreitender Begegnung verbinden. Veranstaltet wird die Junge Uni vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung in Kooperation mit der Universität für Weiterbildung Krems und der Region Vysocina.