Vier Tage, vier Stunden und 40 Minuten – mit dieser Zeit trug sich Michael Strasser am Samstag erneut in die Rekordbücher ein. Der 43-Jährige bewältigte Österreichs „Seven Summits“ damit um elf Stunden schneller als je ein anderer Athlet vor ihm. Und das, obwohl er – anders als es bei der bisher gehaltenen Bestzeit der Fall war – keinerlei Unterstützung in Anspruch nehmen durfte. Organisation, Transport und Verpflegung – um all das musste sich Strasser selbst kümmern.

„Ich war unsicher, ob ich allein einen ‚supported‘ Rekord überhaupt verbessern kann", gibt Strasser nach dem überstandenen Abenteuer zu. Schließlich hatte der bisherige Rekordhalter Christian Bruckner ein 30-köpfiges Team dabei. Strassers Verpflegung erfolgte bei Tankstellen, das Rad war durch die Packtaschen schwer. „Ich konnte es nur mit schnellen Bergbesteigungen, weniger Radstandzeiten und vor allem minimalem Schlaf schaffen“, so der Niederösterreicher.

Sieben Gipfel in vier Tagen

Innerhalb weniger Tage den höchsten Berg jedes Bundeslandes zu besteigen und die Strecke dazwischen mit dem Rad zurückzulegen – das war die Herausforderung. Die Tour begann am Dienstag mit dem Anstieg auf den Piz Buin (Vorarlberg). Strassers Reise führte durch alle neun Bundesländer, zu bezwingen waren aber nur sieben Berge, weil der Großglockner im Grenzgebiet zwischen Tirol und Kärnten liegt und der Dachstein zwischen der Steiermark und Oberösterreich.

Weitere Etappenziele waren der Großvenediger (Salzburg), der Schneeberg (Niederösterreich) und der Geschriebenstein (Burgenland), bevor es zur Zielankunft am Hermannskogel in Wien ging. „Die ersten drei Nächte schlief ich je drei Stunden, in der letzten Nacht nochmals 35 Minuten. Es war definitiv die stärkste sportliche Leistung meines Lebens“, ist Strasser nach der Überwindung von 1.100 Kilometern und rund 20.000 Höhenmetern überzeugt.

Die größte Schwierigkeit war für Strasser, über die gesamte Zeit hinweg den Fokus zu behalten. „Ich war sehr viel in der Nacht unterwegs, bin am Dachstein um Mitternacht aufgestanden und wusste, dass es immer noch finster sein würde, wenn ich unten bin. Das war schon extrem.“ Es gab für den Extremsportler aber auch Momente, die für all die Leiden entschädigten.

Fans trugen Strasser ins Ziel

„Ich bin irgendwann um halb zwei Uhr nachts durch das Burgenland geradelt und plötzlich höre ich von der Weite schon Musik. Da sind Autos voller Leute auf einem Parkplatz gestanden, die Party gemacht und auf mich gewartet haben“, so Strasser, der einen ähnlich emotionalen Moment bei der Zielankunft beschreibt. „In Wien sind fast bei jeder Ampel Leute gestanden, die mich mit Plakaten angefeuert haben. Das war schon richtig cool“, erzählt der 43-Jährige.

Es war aber nicht das erste Mal, dass Strasser an seine körperlichen Grenzen und darüber hinaus ging. 2018 legte er die Strecke zwischen Alaska und Patagonien mit dem Rad in der Rekordzeit von 84 Tagen zurück. Davor durchquerte er bereits Afrika in 34 Tagen von Kairo nach Kapstadt – ebenfalls Weltrekord. Was er als nächstes vorhat? „Ich möchte jetzt an alles denken, nur nicht ans nächste Projekt“, lacht Strasser, der nun wieder mehr Zeit mit seiner Familie verbringen will.