Der Biber polarisiert wie kaum ein anderes an Flüssen und Gewässern lebendes Wildtier. Im Süden von St. Pölten haben die Nagetiere Schäden im Bereich des Mühlbachs angerichtet, die Dämme wurden untergraben – mehr dazu in Biber sorgt für Dammsperre in St. Pölten (noe.ORF.at; 7.8.2026).

Weil das Risiko für Spaziergänger zu groß ist, wurde auf diesen Wegen nun ein Betretungsverbot ausgesprochen. Konkret geht es um die Bereiche neben dem Mühlbach zwischen Sonnenpark und VAZ-Gelände, die nun sicherheitshalber gesperrt sind, vermutlich auch, weil dort in wenigen Tagen das Frequencyfestival über die Bühne geht und man wohl kein Risiko eingehen will.

Großes, „behäbiges“ Wildtier

Warum die Nagetiere vielerorts für Aufregung sorgen, erklärt Wildtierökologe Richard Zink von der Veterinärmedizinischen Universität Wien: „Dafür, dass er bei uns in den Städten, im Siedlungsraum, an den Gewässern vorkommt, ist er mit seinen 15 bis 20 Kilogramm wirklich ein sehr großes, aber behäbiges Tier, das sich schwer tut in der Fortbewegung. Und aus diesen Gründen staut der Biber Flüsse oder Gewässer auf.“

„In diesen Staubereichen kann er sich leichter fortbewegen und seine Nahrungsmittel, wie gefällte Bäume, besser transportieren. Allerdings kommt es dann oft zu Problemen“, so Zink. „Wenn Biber zum Beispiel in Dämme ihre Höhlungen hineingraben und Dämme unterminieren, dann kann es sehr problematisch sein.“

Biber hilft, in Trockenperioden Wasser zu sammeln

Der Biber könnte aber in klimatisch schwierigen Zeiten auch Teil der Lösung sein, ist Wildtierökologe Richard Zink überzeugt: „Eigentlich ist es ein Riesen-Glücksfall, der uns gerade dieser Tage bewusst sein sollte, denn die Biber sind diejenigen, die uns am ehesten helfen, Wasser zurückzuhalten.“

Zink berichtet auch aus eigener Erfahrung, da sein Grundstück direkt an einen Bach grenzt, an dem ein Biberdamm errichtet wurde: „Der kleine Bach ist zwischenzeitlich ausgetrocknet, aber hinter den Dämmen ist ein Teich nach dem anderen zu sehen und das ist für eine Vielzahl von Wildtieren, aber auch für die Grundwasserregulierung und für die Pflanzen rundherum ein ganz wesentlicher Effekt.“

Biberbeobachtungen melden

Um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten, seien auch Raumordnungskonzepte sinnvoll, so der Wildtierökologe. Und dort wo man den Biber nicht haben will, könne man gezielt Maßnahmen setzen. „Dort wo Wasserdämme neu errichtet werden, kann man sie auch bibersicher machen, indem man ein entsprechendes Gitter in die Dammkrone einbringt. Dann sind die Probleme in der Regel auch geringfügig.“

Biberbeobachtungen sind für die Wissenschaft wichtig. Sie geben Auskunft über die Entwicklung von Biberpopulationen in unterschiedlichen Gebieten. Das Projekt StadtWildTiere Österreich besteht seit dem Jahr 2015 und beschäftigt sich seither mit der Erfassung von Wildtieren im urbanen Lebensraum. Biberbeobachtungen können auf der betreffenden Internetseite des Projekts StadtWildTiere gemeldet werden.