Der Landwirt dürfte sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben und mit den Tieren überfordert gewesen sein. Er wird angezeigt, der Betrieb behördlich geschlossen. Nachbarn hatten sich am 17. Juli über Verwesungsgeruch beschwert.

Daraufhin fuhr die Polizei zu dem Betrieb, der Bauer wollte sie laut Angaben der Behörden nicht hineinlassen. In der darauffolgenden Woche kamen die Beamten erneut, diesmal in Begleitung der Amtstierärztin. Was sie in den Ställen zu sehen bekamen, sei erschreckend gewesen.

Gefunden wurden „400 verendete bzw. zum Teil bereits verweste Schweine“, sagte der Polizeisprecher Johann Baumschlager. „88 Tiere waren am Leben, diese wurden auf umliegende Betriebe aufgeteilt“, berichtete Baumschlager. Der Landwirt, der den Hof alleine geführt hatte, dürfte die Schweine seit Jahresbeginn nicht gefüttert haben, wie auch Medien berichteten. Zudem bestätigt die Polizei, dass er selbst gar nicht am Hof lebt.

Anzeige wegen Tierquälerei

In Bezug auf etwaige weitere verendete Schweine laufen Ermittlungen. Die Auswertung der An- und Verkaufslisten des Betriebes habe einen „Fehlbestand von etwa 1.000 Tieren“ ergeben, teilte Baumschlager zum aktuellen Stand der polizeilichen Erhebungen mit. Ermittlungen zum Verbleib dieser Tiere waren im Laufen, aufgrund von in dem Betrieb aufgefundenen Knochen könne Kannibalismus nicht ausgeschlossen werden. Nachbarn und Lieferanten werden befragt.

Der Landwirt wird wegen Tierquälerei der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt. Weitere Konsequenzen sowie ein Tierhalteverbot werden geprüft, hieß es auf Anfrage seitens der Bezirkshauptmannschaft. Details aus der Einvernahme nennt die Polizei nicht.

Regelmäßige Kontrollen, keine Beanstandungen

Aus dem Büro der für Tierschutz zuständigen Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, dass der Betrieb regelmäßig kontrolliert wurde und es bis in den Dezember hinein keine Beanstandungen gegeben habe.

„Dass der Tierhalter psychisch erkrankt und dadurch Tierleid entstanden ist, ist eine Tragödie. Die zuständigen Stellen haben nach Bekanntwerden des Falls sofort gehandelt und die notwendigen Konsequenzen gezogen. Grundsätzlich wären österreichweit klare Regelungen wünschenswert, um Tierhalteverbote im Anlassfall noch schneller und einfacher aussprechen zu können – am Ausgang dieses konkreten Falls hätte das allerdings nichts geändert.“

Betroffenheit nach „tragischem Einzelfall“

„Es ist ein tragischer Einzelfall, hinter dem auch ein Familienschicksal steht“, heißt es aus dem Büro des für Landwirtschaft zuständigen Landeshauptfraustellvertreters Stephan Pernkopf (ÖVP). „Klar ist, dass es im Interesse der Bauernschaft und aller bäuerlichen Betriebe ist, solche Missstände zu vermeiden.“

Sehr betroffen zeigte man sich am Dienstag auch in der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. In einem schriftlichen Statement betonte man, dass es „im Interesse der Landwirtschaftskammer und aller bäuerlichen Betriebe ist, solche Missstände jedenfalls zu vermeiden“. Die Landwirtschaftskammer NÖ stehe kompromisslos für eine ordnungsgemäße Tierhaltung. „Verstöße gegen Tierhaltungsvorschriften sind gemäß den gesetzlichen Vorgaben zu ahnden.“

Bäuerinnen und Bauern stehen laut Landwirtschaftskammer täglich vor vielfältigen Herausforderungen. Zur Unterstützung gäbe es ein bäuerliches Sorgentelefon sowie ein breites Beratungs-, Coaching- und Bildungsangebot für konkrete Unterstützung.

VGT: „Größtvorstellbare Qualen über Monate“

„Wir haben es hier mit einem Fall zu tun, den man sich im schlimmsten Albtraum nicht ausmalen kann. Hier wurden hunderte Tiere den größtvorstellbaren Qualen ausgesetzt, und das über Wochen oder Monate“, teilte Isabell Eckl vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) am Dienstag in einer Aussendung mit. Der VGT forderte „ein umgehendes Tierhaltungsverbot für den Verantwortlichen“. „In solchen extremen Fällen“ brauche es eine gesetzliche Neuregelung.

Tierschutzsprecher der Grünen ortet Handlungsbedarf

Ein Tier- und Menschendrama ortet der Grüne Tierschutzsprecher im NÖ Landtag Dominic Hörlezeder. Für ihn zeigt dieser Vorfall gravierende Lücken im System auf, die dringend geschlossen werden müssen. Dass „dieses Drama monatelang unentdeckt blieb, ist ein Warnsignal, das das Land Niederösterreich nicht ignorieren darf“.

Sein Appell: „Wir dürfen uns jetzt nicht in Schuldzuweisungen verlieren, sondern müssen Strukturen schaffen, die so etwas in Zukunft verhindern. Es braucht ein funktionierendes, engmaschiges Frühwarnsystem – zum Schutz der Tiere und zum Schutz der Landwirtinnen und Landwirte.“