Am Dienstag wurde das Ausmaß des Falles bekannt: Nachdem sich Mitte Juli Nachbarn über Verwesungsgeruch aus einem Schweinemastbetrieb beschwert hatten, wurden rund 400 verendete bzw. zum Teil bereits verweste Schweine entdeckt. Zudem ergaben die Ermittlungen einen „Fehlstand“ von etwa 1.000 Tieren. Vermutet wird, dass sich die Tiere aufgefressen haben – mehr dazu in Hunderte tote Schweine: Betroffenheit groß (noe.ORF.at; 11.8.26).
Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) prangerte an, dass bereits im Vorjahr bei demselben Betrieb 150 Schweine erstickt seien. In einer Stellungnahme aus dem Büro der für Tierschutz zuständigen Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) hieß es, der betroffene Betrieb sei bis zum Dezember des Vorjahrs regelmäßig kontrolliert worden.
Im „NÖ heute“-Gespräch bestätigte Landesveterinärdirektorin Riedl das Wissen über den Tod der Tiere im Vorjahr: „Ja, das stimmt. Einen Lüftungsausfall, ein technisches Gebrechen kann es geben. Sowas kann auch bei ordentlich geführten Betrieben leider vorkommen.“
Verantwortung bei Tierhaltern
In diesen Fällen würde das aber der Behörde gemeldet. Und diese würde laut Riedl auch kontrollieren, ob das Lüftungssystem danach wieder funktioniere und welche Maßnahmen der Betrieb ergriffen hat, damit „zukünftig sowas nicht wieder sehr rasch passieren kann“.
Die Landesveterinärdirektorin meinte, „im Prinzip muss man trotzdem immer plädieren, der Tierhalter, die Tierhalterin sind für ihre Tiere verantwortlich“. Wenn jede Person die Verantwortung für ihre Tiere übernimmt, dann passiere sowas laut Riedl nicht.
Landesveterinärdirektorin Christina Riedl kommentiert Tiertragödie im Bezirk Amstetten
Landesveterinärdirektorin Christina Riedl bestätigt im „NÖ heute“-Interview, dass in diesem Betrieb im Vorjahr wegen eines technischen Gebrechens 150 Schweine erstickten, und spricht über die Regelmäßigkeit der Kontrollen.
Im „NÖ heute“-Gespräch mit Moderator Thomas Birgfellner sagte die Leiterin der Landesabteilung für Veterinärangelegenheiten, der bekanntgewordene Fall aus dem Bezirk Amstetten sei für sie „äußerst bedrückend“.
Der Fall zeige, wofür Amtstierärzte an Ort und Stelle da seien – um möglichst schnell zu reagieren. Im konkreten Fall wurde der Betrieb umgehend geschlossen. Solche Maßnahmen zu setzen ist laut Riedl genau die Aufgabe der Amtstierärzte. Außerdem sei es die Aufgabe, auch im Vorfeld Maßnahmen zu setzen, „um solche Fälle vielleicht schon früher zu eruieren“.
6.000 Kontrollen pro Jahr
An die 6.000 Kontrollen werden laut Riedl in Niederösterreich in landwirtschaftlichen Betrieben pro Jahr durchgeführt. Gefragt nach der Regelmäßigkeit der Kontrollen, sagte die Landesveterinärdirektorin, dass es einen allgemeinen, jährlich erarbeiteten, Kontrollplan gäbe.
Größere Betriebe, Betriebe mit mehreren unterschiedlichen Tierarten oder Betriebe, bei denen es in der Vergangenheit bereits Auffälligkeiten gegeben hatte, würden laut Riedl öfter stichprobenartig kontrolliert. Hinzukommen würden auch noch Verdachtskontrollen. Das heißt der Landesveterinärdirektorin zufolge, wenn ein Verdacht gegeben sei, dass der Amtstierarzt oder die Amtstierärztin zeitnah hinfahren und kontrollieren müsse.
Riedl appelliert: „Wenn man überfordert ist, wenn irgendwas nicht mehr passt, wäre es halt wichtig, dass man rechtzeitig Hilfe sucht.“ Landwirte könnten sich an die Landwirtschaftskammer wenden, so die Landesveterinärdirektorin.
Zustände für Kammer „absolut inakzeptabel“
Von der Landwirtschaftskammer hieß es am Dienstag auf Anfrage von noe.ORF.at, der aktuelle Fall sei Gegenstand laufender Ermittlungen der Behörden. Verstöße gegen Tierhaltungsvorschriften seien gemäß den gesetzlichen Vorgaben zu ahnden. Als Interessenvertretung aller Bäuerinnen und Bauern seien solche Zustände „absolut inakzeptabel“. Diese würden nicht die gewissenhafte Arbeit aller anderen schweinehaltenden Betriebe repräsentieren.