Der Marchfeldkanal bringt Donauwasser in eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Regionen Österreichs. Das Marchfeld gilt als klassisches Trockengebiet und hat einen dementsprechend hohen Wasserbedarf. Ohne den Marchfeldkanal könnte es nicht bewirtschaftet werden. Und ohne Bewässerung läuft auf den riesigen Feldern gar nichts, schon gar nicht in diesem extrem trockenen Jahr.
Franz Steiner, der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal, sagte bei einem Lokalaugenschein von noe.ORF.at am Mittwoch: „Unter uns befindet sich der größte zusammenhängende Grundwasserkörper Österreichs. Das System ist errichtet worden, um ein tiefes Absinken zu verhindern, besonders in Trockenperioden, wie wir sie derzeit haben. Das Wasser wird aber auch für viele andere Zwecke verwendet, auch für die Trinkwassergewinnung.“
Das Kompetenzzentrum Bewässerung in Deutsch-Wagram (Bezirk Gänserndorf) soll dafür sorgen, dass die Landwirtschaft quasi nicht auf dem Trockenen sitzt. Es wurde 2020 auf Initiative des Landes Niederösterreich und der Landwirtschaftskammer Niederösterreich gegründet. 180 Projekte begleitete man bereits. Zuletzt kamen auch immer mehr Anfragen aus Regionen, die bisher stets ausreichende Wasservorräte hatten.
Pläne für überregionale Wasserprojekte
„Wir beraten Landwirtinnen und Landwirte über Möglichkeiten, Wasser zu speichern oder zu bekommen – entweder regional oder lokal, über Speicherteiche. Wir forschen und arbeiten auch an Möglichkeiten, überregional Wasser in die Regionen zu bringen“, erzählt Steiner. Es gibt etwa Überlegungen, über Pumpleitungen Wasser in andere trockene Regionen zu transportieren. Die Dürre zeigt, wie wichtig Investitionen in die Wasserversorgung sind.
Lorenz Mayr, Vizepräsident und designierter Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ betont: „Der trockene Osten Österreichs ist verantwortlich für zwei Drittel der Getreideproduktion, für mehr als 75 Prozent der Gemüseproduktion und damit eine wesentliche Region für die Ernährungssicherheit in Österreich. Deshalb ist es notwendig, Infrastruktur aufzubauen, damit wir in diese Regionen Wasser bringen.“
Mayr pocht auf rasche Dürre-Hilfspakete
Wegen der extremen Trockenheit wird aber auch der Ruf nach Unterstützung laut. Die Rede ist von dem jetzt heftig diskutierten Dürre-Hilfspaket für die Bauern. „Wir brauchen jetzt schnelle Hilfspakete mit zinsbezuschussten Dürrekrediten, damit die Betriebe Liquidität haben. Da geht es um den Futterzukauf für die Tiere und darum, für das nächste Jahr Saatgut und Dünger einkaufen zu können“, so Mayr. Denn Trockenheit, Hitze und steigende Produktionskosten seien für die Bäuerinnen und Bauern immer belastender.