Fehlender Niederschlag, hohe Temperaturen und ein ausgedörrter Boden lassen auch Wildtiere durstig zurück. In Raglitz bringen Jäger deshalb kanisterweise Wasser in den Wald. „Wir sind hier ein Revier ohne Bäche und Tümpel. Wir sind darauf angewiesen, dass wir das Wild versorgen – mit unseren Händen, mit Tanks und Kanistern und das sehr, sehr oft“, sagte Jagdleiter Franz Fidler bei einem Lokalaugenschein mit noe.ORF.at.

Ohne die zusätzliche Wasserversorgung wäre das Überleben der Tiere laut Fidler in diesem Revier unmöglich. Die Trockenheit führt dazu, dass das Wasser knapp wird, aber auch die Verfügbarkeit und Qualität der Nahrung nehmen ab. „Wir haben weniger Energiequellen, aber gleichzeitig einen erhöhten Energiebedarf. Das setzt die Wildtiere natürlich enorm unter Druck“, sagt Wildökologe Kian Lanzenstiel vom Landesjagdverband.

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1.500 Liter wöchentlich gegen Durst

Ein erwachsenes Reh benötigt etwa ein bis zwei Liter Wasser pro Tag und nimmt die Hälfte davon im Normalfall durch saftige Blätter auf. Eine Rehgeiß, die Kitzen versorgen muss, braucht die drei- bis vierfache Menge. Durch die Trockenheit ist das nicht möglich: „Wir müssen die komplette Versorgung über die Tränken machen“, fasst Jagdleiter Fidler die aktuelle Situation zusammen.

Fidler und seine Kollegen bringen wöchentlich rund 1.500 Liter Wasser in den Wald. Sie kümmern sich um etwa 25 Tränken und flache Wasserstellen für Niederwild wie Hasen oder Fasane. Laut Fidler hätten die Rehkitze etwa zwei Kilogramm weniger als vor der Pandemie. Der Jäger sieht die zunehmende Freizeitnutzung im Wald kritisch: „Das Wild wird bei der Aufnahme von Wasser und Nahrung viel zu oft gestört.“ Er appelliert an Waldbesucher, auf den Wegen zu bleiben, Hunde angeleint zu lassen und den Beschilderungen zu folgen.

Mehr Unfälle wegen Suche nach neuen Lebensräumen

Wildtiere wie das Murmeltier oder der Schneehase sind an bestimmte Lebensräume angepasst. Sie geraten durch warme Perioden und fehlende Wasserquellen unter Druck, da ihre Lebensräume verloren gehen. Anpassungsfähigere Wildtiere hingegen besiedeln vermehrt neue Lebensräume: „Das sieht man beim Wildschwein, das in immer höhere Lagen vordringt, oder beim Goldschakal, der ursprünglich nur in Südosteuropa vorkam und mittlerweile in ganz Europa nachgewiesen ist“, erzählte Wildökologe Lanzenstiel noe.ORF.at.

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Wenn Wildtiere auf Wassersuche sind, queren sie auch Straßen. „Das Rehwild wird gezwungen, nach neuen Lebensräumen zu suchen und das führt dazu, dass in unseren dicht besiedelten Gebieten vermehrt Kfz-Unfälle auftreten“, warnt Lanzenstiel. Die Jägerschaft appelliert daher an Autofahrer, besonders in der Dämmerung vorsichtig und aufmerksam zu fahren.