Unter der Leitung des rumänischen Dirigenten Cristian Macelaru gestaltete das Philharmonia Orchestra London den glanzvollen Auftaktabend auf der Open-Air-Bühne am Wolkenturm im Schlosspark. Auf dem Programm standen Beethovens selten gespielte „Fantasie für Klavier, Chor und Orchester c-Moll op. 80“ sowie Orffs „Carmina Burana“ – zwei Werke, die für zwei Jahrzehnte Musikgeschichte in Grafenegg standen, wie es hieß.
Beethovens „Chorfantasie“ begann mit einem dramatischen Klaviersolo, gespielt von Buchbinder. Das sei „sauschwer, wie man zu sagen pflegt“, sagte Buchbinder gegenüber noe.ORF.at. mit einem Lächeln. „Und dann steigt endlich das Orchester ein, und dann spielen wir zusammen.“ Das Werk, das bereits auf Beethovens neunte Symphonie vorausweist, mündete in den hymnischen Chorgesang „Nehmt denn hin, ihr schönen Seelen, froh die Gaben schöner Kunst!“.
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„Carmina Burana“ als Höhepunkt
Als Höhepunkt des Konzertabends erklang Orffs Kantate „Carmina Burana“ für Soli, Chor und Orchester. „Es ist ein Weltstück“, so Buchbinder, dessen großer Wunsch es war, mit „Carmina Burana“ den Auftakt im Jubiläumsjahr zu begehen.
Die kraftvolle Vertonung mittelalterlicher Texte mit ihren markanten Rhythmen und eingängigen Melodien zählt zu den bekanntesten Chorwerken des 20. Jahrhunderts. Besonders der berühmte Eingangschor „O Fortuna“ sorgte für einen eindrucksvollen Abschluss.
Neben Buchbinder wirkten Sopranistin Nikola Hillebrand, Tenor Nicholas Phan und Bariton German Olvera mit. Der Wiener Singverein sowie die Wiener Chormädchen, der Mädchenchor der Wiener Sängerknaben, ergänzten das internationale Ensemble. Für Buchbinder, der nach der Jubiläumssaison seine Funktion als künstlerischer Leiter zurücklegt, war der Abend auch ein besonderer Auftritt.
Glückwünsche zum Jubiläum
Viele Vertreter aus Kunst und Kultur, Wirtschaft, Politik und Religion waren Freitagabend nach Grafenegg gekommen. Passend zum 20-Jahre-Jubiläum gab es auch den einen oder anderen Glückwunsch, unter anderem von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Sie wünschte dem Festival, dass die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werde, „denn in den letzten Jahren hat sich Grafenegg zu einem Festivalstandort der Weltklasse entwickelt“.
Intendant Buchbinder tritt bei Grafenegg Festival auf
Das Grafenegg Festival bei Krems (NÖ) feiert 2026 sein 20-jähriges Bestehen. Eröffnet wurde die Jubiläumssaison am Freitagabend mit zwei musikalischen Meilensteinen: Festivalgründer und Intendant Rudolf Buchbinder spielte bei Beethovens „Chorfantasie“ selbst am Klavier. Der Höhepunkt des Abends folgte dann mit Carl Orffs „Carmina Burana“.
„Gute Geschäfte und gute Gesundheit“ wünschte etwa Schauspieler Aaron Karl scherzend, „wenn man hier herumgeht, spürt man, wie viel gemacht wurde“. „Dass es gut weiter geht“ – so lautete der Wunsch von Josef Grünwidl, dem Erzbischof von Wien, „diese 20 Jahre mit Rudolf Buchbinder als Intendanten waren erfolgreiche Jahre“.
Auch ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher wünschte, „dass es möglichst lange so gut weitergeht wie bisher“. Es habe sich gezeigt, dass es bisher das „richtige Konzept für diese geniale Location“ sei, so Thurnher Freitagabend.
Riccardo Muti zum Festivalfinale
Nach dem Festivalauftakt gibt es bis 6. September ein vielfältiges Programm in Grafenegg zu erleben. Erstmals werden Martha Argerich und – zum Abschluss – Riccardo Muti (mit dem Orchestra Giovanile Luigi Cherubini) in Grafenegg zu Gast sein. Die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker konzertieren ebenso wie u. a. die Solisten Piotr Beczala, Gautier Capucon, Alexandre Kantorow, Julia Hagen und nicht zuletzt Buchbinder selbst.
Zwei konzertante Opernaufführungen („Parsifal“, „Die tote Stadt“) stehen auf dem Programm, die Wiener Philharmoniker kommen wieder in den Wolkenturm, auch die Münchner Philharmoniker und das Royal Concertgebouw Orchestra. Als Composer in Residence fungiert die österreichische Komponistin Olga Neuwirth. Der Composer-Conductor-Workshop „Ink Still Wet“ und die Grafenegg Academy finden ebenfalls wieder statt.