Die Flammen haben bis zum Gartenzaun des Ehepaars Walenta gereicht: „Wir haben Riesenglück gehabt, dass sich der Wind geändert hat, in der Richtung. Sonst wären die Häuser weg“, erzählt Helmut Walenta, der von der Evakuierung am Freitag betroffen war.
Die Ausmaße des Brandes und wie nah die Flammen tatsächlich waren, wurde vielen Bewohnern erst einen Tag später bewusst: „Heute sehen wir erst, wie nah es wirklich war. Du musst so alt werden, damit du so etwas erlebst“, schildert Auguste Walenta die Situation.
Feuerwehr bezog Wasser aus Swimmingpools
Laut Feuerwehr wurde das Löschwasser aufgrund der Trockenheit der vergangenen Wochen knapp. Die Feuerwehr bezog für die Löscharbeiten teilweise Wasser aus privaten Swimmingpools. „Die erste Meldung von einem Feuerwehrmann war: ‚Ah, da haben wir einen Pool, da haben wir Wasser.‘ Natürlich haben wir’s zur Verfügung gestellt, warum nicht?“, erzählt Helmut Walenta.
Der Großbrand war am Samstag weiterhin unter Kontrolle. Von „Brand aus“ könne noch keine Rede sein, aber: „Es schaut einmal gut aus“, betonte Patrik Lechner vom Bezirksfeuerwehrkommando am Nachmittag. Rund 250 Feuerwehrmitglieder waren am Samstag mit Nachlöscharbeiten beschäftigt, spürten Glutnester auf und löschten sie.
64 Hektar betroffen
Der Großbrand im Föhrenwald war Freitagmittag ausgebrochen und hatte einen Großeinsatz mit über 830 Feuerwehrmitgliedern und elf Hubschraubern erforderlich gemacht. Rund 64 Hektar waren laut Feuerwehr betroffen. Die Katastralgemeinde Neusiedl am Steinfeld wurde kurzzeitig evakuiert, weil sich die Flammen in Richtung ihrer Häuser ausbreiteten. Die rund 250 Betroffenen konnten am Abend aber wieder zurück nach Hause. Das Feuer wurde gegen 18.00 Uhr unter Kontrolle gebracht.
Fünf Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten medizinisch an Ort und Stelle versorgt werden, teilte Notruf Niederösterreich in einer Aussendung mit. Vonseiten des Bezirkskommandos hieß es, dass vier Mitglieder leicht verletzt wurden. Die Ursache für das Feuer stand vorerst nicht fest. Betroffen sei ein anderes Gebiet als beim Feuer in der Vorwoche, so Stebal.
Große Waldbrandgefahr im ganzen Land
Die Waldbrandgefahr ist allerdings im ganzen Land groß. Aufgrund der extremen Trockenheit muss die Feuerwehr regelmäßig zu Einsätzen ausrücken – Hotspots sind laut Feuerwehr unter anderem die Bezirke Neunkirchen und Wr. Neustadt. Laut Wetterprognose dürfte in den nächsten Tagen nicht genügend Niederschlag fallen, damit sich die Situation stabilisiert.
Waldbrandgefahr in NÖ
Jürgen Winterleitner zur generellen Situation im Land
Erst in der Vorwoche großer Waldbrand
Die Feuerwehr appellierte an die Bevölkerung, das Gebiet rund um den Föhrenwald großräumig zu meiden. Zufahrts- und Einsatzwege müssen „jederzeit freigehalten werden“, wurde betont. „Wer sich unnötig dem Einsatzgebiet nähert, behindert nicht nur die Arbeit der Einsatzkräfte, sondern bringt auch sich selbst in Gefahr“, lautete die Warnung.
Erst vergangene Woche hatte sich ein Feuer im Föhrenwald auf rund 100 Hektar ausgedehnt. Die Flammen waren in der Vorwoche am Mittwochnachmittag ausgebrochen, es dauerte bis Sonntagabend, ehe „Brand aus“ gegeben wurde. Hunderte Feuerwehrleute standen im Einsatz. Verursacht worden sein soll der Brand nach Ermittlungen der Polizei durch Phosphor in Munitionsteilen einer Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengten Fabrik. Das Feuer zählt zu den größten in Niederösterreich in den vergangenen Jahren.