Seit 2017 ist der Rettungshubschrauber Martin 3 am Flugplatz Scharnstein stationiert. Rund 1.000 Einsätze pro Jahr fliegt die Crew von dort aus – vor allem im Salzkammergut und den angrenzenden Regionen. Doch der bisherige Standort steht vor dem Aus: Der Flugplatzbetreiber ASKÖ hat den Pachtvertrag mit Heli Austria gekündigt.
Verhärtete Fronten zwischen Betreiber und Flugplatz
Grund dafür seien unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Flugplatzes, heißt es vonseiten der ASKÖ. Heli Austria habe eine Erweiterung des Betriebs geplant, die über die bisherige Nutzung hinausgehe. „Wir möchten der Gemeinde, aber auch uns keinen erhöhten Flugbetrieb zumuten. Dazu gehören Schulungsflüge, Rundflüge aber auch VIP-Flüge oder Ähnliches. Das passt nicht in unser Konzept“, sagt Wolfram Schönfelder, stellvertretender Obmann des Flugplatzes Scharnstein.
Heli Austria weist diese Darstellung zurück. Geschäftsführer Roy Knaus erklärt gegenüber dem ORF, dass es nie Pläne gegeben habe, in Scharnstein künftig weitere Transport- oder Schulungshubschrauber zu stationieren.
Einig sind sich beide Seiten aber darin, dass das Verhältnis zwischen Betreiber und Flugplatz bereits seit längerem belastet sei. Das gegenseitige Vertrauen sei kaum noch vorhanden.
Bergrettung könnte künftig länger brauchen
Der mögliche Weggang des Martin 3 beschäftigt auch die Einsatzkräfte in der Region. Für die Bergrettung ist der Standort Scharnstein ein wichtiger Vorteil, weil ein Notarzt schnell in schwer zugängliche Gebiete gebracht werden kann.
„Wenn das nicht möglich ist, wird es schwieriger – sprich, es wird ein längerer Abtransport für den Verletzten“, sagt Raphael Trautwein von der Bergrettung Grünau im Almtal. Er betont allerdings, dass die notfallmedizinische Versorgung auch ohne Martin 3 künftig gesichert werden könne.
Neuer Standort am Bäckerberg im Gespräch
Heli Austria will Scharnstein trotz des Konflikts nicht verlassen. Als möglicher neuer Standort ist eine Wiesenfläche am Bäckerberg im Gespräch – weniger als einen Kilometer Luftlinie vom bisherigen Flugplatz entfernt.
Gegen diese Pläne wehrt sich die ehemalige Pächterin Christine Mayrhofer. Sie hatte die Fläche rund 20 Jahre landwirtschaftlich genutzt – bis ihr der Pachtvertrag plötzlich gekündigt wurde. Daraufhin startete sie eine Petition gegen die mögliche Nutzung als Helikopter-Standort.
„Ein Großteil dieser Flächen sind Naturschutzflächen mit seltenen Arten von Orchideen und anderen Pflanzen. Die Wiese ist auch Lebensraum von teilweise vom Aussterben bedrohten Tierarten“, sagt Mayrhofer.
Heli Austria bestätigte gegenüber dem ORF, weiterhin Interesse an der Fläche zu haben. Ob dort tatsächlich ein neuer Standort entsteht, ist aber noch offen.
Auch ASKÖ sucht neuen Betreiber
Auch die ASKÖ will den Flugplatz Scharnstein weiterhin für die Flugrettung nutzen und sucht nach eigenen Angaben nach einem neuen Betreiber.
„Wir sind sicher, dass wir auch in Zukunft hier am Standort einen Flugrettungsbetrieb etablieren werden“, bestätigt Schönfelder. Damit könnte Scharnstein künftig womöglich sogar zwei Rettungshubschrauberunternehmen beheimaten.