Die Absender schlagen als neuen Namensgeber den heuer verstorbenen Altbischof der Diözese Linz, Maximilian Aichern, vor.
Den gemeinsamen Brief vom Mauthausen Komitee Österreich, der Katholischen Aktion Oberösterreich und dem OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus haben u. a. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Historikerin Gabriella Hauch, Karikaturist Gerhard Haderer und der Intendant des Landestheaters Linz, Hermann Schneider, unterzeichnet. Sie appellieren an den Bürgermeister, „im Geiste der demokratischen und antifaschistischen Werte der Republik zu handeln: Die Dinghoferstraße soll in Zukunft Aichernstraße heißen.“
1940 der NSDAP beigetreten
Der in Ottensheim geborene großdeutsche Politiker Franz Dinghofer (1873–1956) war von 1907 bis 1918 Linzer Bürgermeister. In den 1920er Jahren saß er u. a. im Nationalrat, war Justizminister, Vizekanzler und Dritter Präsident des Nationalrates. Von 1928 bis 1938 stand er als Präsident dem Obersten Gerichtshof vor. 1940 trat er der NSDAP bei. Der „Judenhasser, ‚Arisierer‘ und Nationalsozialist Franz Dinghofer“ habe aber keine Ehrung verdient, bringt es der Sprecher des Netzwerkes gegen Rassismus und Rechtsextremismus, Robert Eiter, auf den Punkt.
Der verstorbene Altbischof sei hingegen ein „überzeugter Gegner des Faschismus“ gewesen, würdigte ihn der Vorsitzende des Mauthausen Komitees, Willi Mernyi. Er „war einer der wichtigsten Wegbereiter der Seligsprechung von Franz Jägerstätter. Und er begegnete allen auf äußerst menschliche, zugewandte und liebenswürdige Art – Andersdenkende und Kirchenferne nicht ausgenommen“, erklärte Gabriele Hofer-Stelzhammer, Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich.
Diskussion über Umbenennung seit Jahren
Die Diskussion über die Umbenennung der Dinghoferstraße kommt in Linz immer wieder auf. 2019 etwa hatten das die Linzer Grünen gefordert. 2022 hat die Stadt ihre 1.158 Straßen und öffentlichen Plätze von einer Historikerkommission nach möglichen belasteten Namensgebern durchleuchten lassen. Dinghofer fiel in die Kategorie zwei der belasteten Personen, nur vier Straßennamen der Kategorie eins wurden bisher umbenannt. Ausschlaggebend bei der Einteilung war vor allem, wie aktiv und exponiert die Namensgeber Extrempositionen eingenommen haben.
Bürgermeister Prammer teilte am Mittwoch mit, dass neue Namen für Straßen der Kategorie zwei nicht vorgesehen seien. „Eine isolierte Umbenennung der Dinghoferstraße ohne neue historische Erkenntnisse würde die einheitliche Systematik und das Gesamtergebnis der Untersuchung infrage stellen“, so der Bürgermeister. Sollten weitere Infos bekanntwerden, die das historische Bild Dinghofers „wesentlich verändern“, könne „selbstverständlich eine neuerliche fachliche Beurteilung erfolgen“, meinte er weiter.
Den Vorschlag, eine Straße nach dem Altbischof zu benennen, würdigte er aber „ausdrücklich“. Aufgrund seiner Verdienste und seiner breiten Anerkennung sei Aichern vom Stadtarchiv bereits auf die Liste möglicher künftiger Namensgeber aufgenommen worden. Das Archiv empfehle nach dem Tod einer Persönlichkeit eine mindestens dreijährige Cooling-off-Phase. Eine Benennung nach Maximilian Aichern käme so frühestens im Jahr 2029 in Betracht.