Seit Juni steht die Turbine beim Campingplatz Schatzlmühle in Viechtwang bei Scharnstein still.
In den kommenden Tagen werden die letzten Forellen und Saiblinge aus dem Seitenarm gefischt. Sie haben im seichten Wasser keine Überlebenschance. „So schlimm wie heuer war es noch nie“, erinnert sich Betreiberin Maria Simbrunner.
„Das grenzt an Liebhaberei“
Dabei könnte mit dem Wasser der Alm der Strombedarf des Campingplatzes gänzlich gedeckt werden. Nun setzt die 66-Jährige vermehrt auf Sonnenenergie. Als Simbrunner vor 33 Jahren das Elternhaus auf dem Gelände übernahm, war der Kanal voll, Wasserknappheit kein Thema.
Dass die Anlage überhaupt noch aktiv ist, grenzt beinahe an Liebhaberei, sagt Simbrunners Lebensgefährte, Christian Steinhäusler. Immerhin muss die Anlage häufig gewartet und kontrolliert werden.
Kleinkraftwerk versorgt 120 Haushalte
Auch die moderne Turbine von Hans Grabner in Grünau ist nicht immun gegen das fehlende Wasser. Noch läuft sie, „wann sie sich abschaltet, entscheidet sie selbst, abhängig vom Wasserstand“, erklärt der 78-Jährige. Mit der Anlage, die bei einer Tischlerei angegliedert ist, versorgt die Unternehmerfamilie rund 120 Abnehmer in der Region mit Strom und Wärme. Was nicht selbst produziert werden kann, muss angekauft werden – eine teure Angelegenheit.
„Blick in die Zukunft ist düster“
Seit 1952 wird das Wasser hier in Energie umgewandelt, aber: „So einen Zustand wie jetzt kenne ich nicht. Das ist Neuland für uns alle.“ 1.000 Liter Wasser fließen derzeit pro Sekunde die Alm hinab. Das ist nur ein Viertel der üblichen Menge. „Der Blick in die Zukunft ist düster“, sagt Unternehmer Grabner, und: „Es ist schmerzlich, dass die Natur so leidet.“
Dass immer mehr Kleinwasserkraftwerke entlang der Alm abdrehen müssen, hat auch wirtschaftliche Folgen für die Region: „Das ist bitter für die Betreiber. Sie haben viel Geld in ihre Anlagen investiert“, so Scharnsteins Bürgermeister, Rudolf Raffelsberger.
Nur halb so viel Strom wie sonst
Der Dachverband der Kleinwasserkraft in Österreich rechnet damit, dass die Anlagen heuer nur halb so viel Strom produzieren werden wie in einem durchschnittlichen Jahr. Eine Prognose, die durch die anhaltende Hitzewelle verstärkt und die Turbinen im Almtal weiter im Stillstand halten wird.