Dass es im heurigen Sommer in der Gemeinde Ulrichsberg (Bezirk Rohrbach) nur etwa ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge geregnet hat, merkt man auch bei den örtlichen Wasserquellen. Wasser wird damit auch im sonst so wasserreichen oberen Mühlviertel zur knappen Ressource.

Genossenschaft: „Müssen mit der Situation fertig werden“

„Jahrelang musste sich niemand darüber Gedanken machen, dass das einmal anders sein könnte. Jetzt ist es anders, und wir müssen mit der Situation fertig werden“, sagt Rudi Stöbich, der sehr viele Jahre als Obmann der Wassergenossenschaft in Ulrichsberg tätig war.

Außerdem habe sich der Anspruch an die Wasserversorgung im Ort über die Jahre hinweg stetig verändert. „Die Haushalte sind um ein Vielfaches größer geworden, und angesiedelte Betriebe brauchen ebenfalls viel Wasser. Der Wasserbedarf ist so stark gestiegen, dass es mit unseren Quellen nicht mehr reicht“, sagt Stöbich weiter.

Quellen liefern weniger Wasser

Erst kürzlich wurden auch im oberen Mühlviertel Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius gemessen. Dazu kommt: Die Quellen im Böhmerwald liefern immer weniger Wasser. „Die Quellschüttung lässt nach. Wir sind mittlerweile bei einer Kapazität von ungefähr 20 Prozent der Gesamtquellen angelangt. So könnten wir unseren Wasserhaushalt im Ort nicht mehr stabil halten“, sagt Manfred Altendorfer, Obmann der Wassergenossenschaft Ulrichsberg.

Wassergenossenschaft rüstet sich

Seit mehreren Jahren bohrt man daher 60 bis 70 Meter tiefe Brunnen in den Granit. Sechs Brunnen gibt es bereits. Im September soll der nächste gebaut werden.

Diese Tiefenbohrungen könnten für ganze Regionen vielleicht die einzige Chance in Dürreperioden sein. „Um die Trockenperioden zu überbrücken, müssen wir eine Ebene tiefer nach Wasser suchen, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren“, sagt Altendorfer.

Neue Quellen zu finden, werde außerdem immer schwieriger. Der neue Aufschluss in der Region Böhmerwald sei enden wollend. „Wir haben hier kein Quellenszenario, das immer vorhanden ist. Hineinbaggern, hineinbohren und automatisch Wasser zu finden, funktioniert hier nicht“, sagt Gerald Öhler, stellvertretender Obmann der Wassergenossenschaft.

Auswirkungen auch auf Vegetation

Die aktuelle Situation sei für viele in der Wassergenossenschaft Ulrichsberg absolutes Neuland – auch was das Thema Vegetation betrifft. „Speziell, wenn man den Blick auf die Südhänge in Ulrichsberg oder Schöneben richtet, stellt man fest, dass diese Hänge bisher auch im Sommer wirklich sattgrün waren. Auch in diesen Bereichen zeigen sich mittlerweile Verfärbungen, die absolut unüblich sind“, sagt Gerald Öhler, stellvertretender Obmann der Wassergenossenschaft Ulrichsberg.

Expertin zum Thema Wasserversorgung

Welche Gemeinden kämpfen derzeit verstärkt mit Wassermangel? Kann das Land Oberösterreich vorgeben, wofür Wasser bei anhaltender Trockenheit verwendet werden darf? Darüber spricht Maria Theiner im Studiogespräch in „Oberösterreich Heute“ mit der Direktorin für Wasserwirtschaft des Landes, Daniela König.