Wochenlang kaum Regen, dazu Temperaturen, wie sie seit Beginn der Messungen in Österreich noch nicht erreicht wurden: Auch auf den oberösterreichischen Almen spitzt sich die Situation zunehmend zu.
Erste Bauern haben ihr Vieh bereits vorzeitig von den Almen abgetrieben – obwohl die Tiere dort üblicherweise noch bis in den September hinein weiden. Der Grund: Die anhaltende Trockenheit sorgt zunehmend für Probleme bei Futter und Wasserversorgung.
Zu wenig Futter, zu wenig Wasser
Johann Feßl, Obmann des oberösterreichischen Almvereins und Bürgermeister von Edlbach (Bezirk Kirchdorf), beschreibt die Lage als äußerst angespannt: „Wir haben sowohl beim Futterwachstum als auch bei der Wasserversorgung wirklich ein Problem. Wir sind an unserer Grenze. Vor allem auf den Südhängen haben die Pflanzen das Wachstum mittlerweile vollständig eingestellt, teilweise sind sie bereits ausgetrocknet. Auch die Quellen werden von Tag zu Tag kleiner – vielerorts rinnt nur noch wenig Wasser. Gleichzeitig gibt es auf großen Teilen der Almen keine Möglichkeit, zusätzlich Wasser hinzubringen.“
Feßl rechnet damit, dass in den kommenden Tagen weitere Tiere ins Tal gebracht werden müssen. Sein eigenes Vieh will er spätestens Anfang nächster Woche von der Alm abtreiben.
Knappes Futter mit Folgen für den Milchmarkt
Österreichs größte Molkerei, Berglandmilch, spürt die angespannte Lage in der Landwirtschaft bereits deutlich. Die angelieferten Milchmengen stagnieren. Geschäftsführer Josef Braunshofer rechnet jedoch damit, dass sie aufgrund der schwierigen Futtermittelsituation in den kommenden Monaten zurückgehen werden. Weniger Milch am Markt dürfte nach seiner Einschätzung auch zu steigenden Preisen führen.
Milchbäuerinnen und Milchbauern berichten laut Braunshofer, dass ihre Futtervorräte für den kommenden Winter deutlich geringer ausfallen als noch vor einem Jahr. Er erwartet deshalb, dass viele Betriebe ihre Tierbestände reduzieren werden, was sich unmittelbar auf die Milchproduktion auswirken dürfte.
Folgen der Trockenheit könnten bis 2027 reichen
Zwar würde ein baldiger Regen die Situation etwas entschärfen, die bereits entstandenen Futterausfälle könnten jedoch nicht mehr ausgeglichen werden. Die Folgen der aktuellen Trockenheit werden die Branche nach Einschätzung des Berglandmilch-Geschäftsführers noch bis in den Sommer des kommenden Jahres beschäftigen.