Im ersten Fall führte eine Tourenbeschreibung aus dem Internet vier junge Tschechen auf dem Traunstein auf eine unmarkierte Route. Die Gruppe wollte zunächst über den Traunsee-Klettersteig ins Tal absteigen, offenbar ohne zu wissen, welche Anforderungen sie dort erwarteten. Schon bald mussten die vier feststellen, dass der Steig für sie zu anspruchsvoll war und sie die geplante Route nicht bewältigen konnten.
Mithilfe einer Tourenbeschreibung aus dem Internet suchten sie nach einer Alternative. So gelangten die vier am Abend auf den unmarkierten Zierlersteig und verloren dort schließlich die Orientierung.
Vor allem die beiden 22-jährigen Frauen der Gruppe waren zu diesem Zeitpunkt bereits völlig erschöpft. Einer der jungen Männer setzte schließlich einen Notruf ab. Der Polizeihubschrauber konnte die vier Bergsteiger aus mehr als 1.200 Metern Seehöhe sicher ins Tal bringen.
Zehnjährige Tochter nach falscher Abzweigung erschöpft
Auch in Gosau musste am Samstagabend eine tschechische Familie mit dem Hubschrauber aus den Bergen geholt werden. Die Familie war beim Abstieg vom Donnerkogel an einer Abzweigung falsch abgebogen.
Für die zehnjährige Tochter wurde die Tour schließlich zu viel. Sie war so erschöpft, dass die Familie den Abstieg nicht mehr aus eigener Kraft fortsetzen konnte. Auch in diesem Fall musste die Bergrettung zu Hilfe kommen und die Familie aus ihrer misslichen Lage retten.
Spektakuläre Bilder locken auf die Berge
Dass derzeit besonders viele Menschen im Inneren Salzkammergut in Bergnot geraten, hat aus Sicht der Bergrettung auch mit sozialen Medien zu tun. Spektakuläre Bilder von Gipfeln und Klettersteigen würden Urlauber auf Touren locken, die sie teilweise unterschätzen.
„Die posten die Himmelsleiter und jeder will da rauf“, sagt Christian Egger von der Bergrettung Gosau. Beim beliebten Klettersteig komme es deshalb sogar zu langen Wartezeiten. Viele würden sich stundenlang anstellen, um überhaupt zum Einstieg zu gelangen.
Hitze und Gewitter erhöhen das Risiko
Zusätzlich verschärft derzeit das Wetter die Situation. Die Temperaturen sind hoch, gleichzeitig ziehen an den Nachmittagen immer wieder Gewitter auf. Viele Bergsteiger würden laut Egger zu spät zu ihren Touren aufbrechen.
„Die gehen zu spät weg und die Gewitter kommen am Nachmittag“, sagt der Bergretter. Angesichts der derzeitigen Bedingungen wundere es ihn oft, dass nicht noch mehr passiert.
Gute Vorbereitung könnte Einsätze verhindern
Viele Bergnotfälle ließen sich aus Sicht der Bergrettung vermeiden. Entscheidend seien vor allem die richtige Ausrüstung, geeignetes Schuhwerk und eine realistische Tourenplanung.
„Vom Schuhwerk, von der Ausrüstung und eben von der Tourenplanung her, da kann man schon viel machen und viele Einsätze sparen“, betont Egger.
Die Bergrettung appelliert deshalb an Wanderer und Klettersteiggeher, Internet-Routen nicht unkritisch zu übernehmen, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und Wetterentwicklung sowie Gehzeiten bereits vor dem Aufbruch zu berücksichtigen.