Stockinger, 1992 in Linz geboren, zählt zu den profiliertesten Schauspielerinnen ihrer Generation und ist dem Publikum vor allem als vielseitige Schauspielerin bekannt. Nach ihrem Studium am Max Reinhardt Seminar wurde sie von Karin Bergmann ans Wiener Burgtheater engagiert.

Dort übernahm sie zahlreiche Hauptrollen und arbeitete mit renommierten Regisseuren wie Frank Castorf, Barbara Frey, Dušan David Pařízek und Karin Henkel. Engagements bei den Salzburger Festspielen und der Ruhrtriennale erweiterten ihr künstlerisches Spektrum.

Auch abseits der Theaterbühne ist Stockinger präsent. Für ihre Darstellung der Maria Theresia in der gleichnamigen Verfilmung von Robert Dornhelm wurde sie 2018 bei der Romy-Verleihung als „Bester Nachwuchs weiblich“ ausgezeichnet.

2025 erhielt sie den Diagonale-Schauspielpreis, für ihre Rolle in „Gina“ war sie zudem für den Österreichischen Filmpreis als „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert.

Übergabe in enger Abstimmung

Nun soll Stockinger in Gmunden selbst zum Motor für neue künstlerische Impulse werden. Die Festwochen gewinnen damit eine Leiterin, die nicht nur auf eine erfolgreiche Schauspielkarriere zurückblickt, sondern auch eine persönliche Beziehung zur Region und zum Festival hat. Bereits 2022 stand sie in der Festwochenproduktion „Freiwild“ auf der Bühne des Stadttheaters, weitere Auftritte folgten. In Gmunden möchte sie „Neugier auf Unbekanntes“ wecken.

Auch Thomas Bernhard, dessen Werk sie seit ihrer Jugend begleitet, will sie aus neuen Perspektiven betrachten. „Wenn es mir gelingt, ein paar Menschen mit meiner Begeisterung anzustecken, dann hat sich dieses für mich überraschende Experiment schon gelohnt“, so Stockinger.

Stockinger folgt auf die ehemalige Burgtheaterdirektorin und derzeitige Intendantin der Salzburger Festspiele Karin Bergmann, die seit 2022 für den Bereich Literatur und Theater verantwortlich war. Der Wechsel erfolgt in enger Abstimmung.

In fünf Jahren hat Bergmann das literarische und theatrale Profil des Festivals deutlich geschärft. Sie brachte renommierte Künstler nach Gmunden, initiierte Kooperationen mit österreichischen Landestheatern und öffnete das Programm zugleich für jüngere Autor, Regisseur und Schauspieler.

Den Anfang machte 2022 Arthur Schnitzlers „Reigen“ in Kooperation mit dem Landestheater Niederösterreich. Die Theaterplattform „nachtkritik“ sah den Gmundner Theatersommer damit auf Anhieb in der „Oberliga der Sommerfrischetheater“. Es folgten weitere vielbeachtete Produktionen, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Linz.

Auch Künstlerpersönlichkeiten wie Harald Schmidt, Joachim Meyerhoff, Jens Harzer und Sona MacDonald waren unter Bergmann in Gmunden zu Gast. Mit Jugendproduktionen, Publikumsgesprächen und dem Format „Termin mit Schmidt“ entstanden zudem neue Möglichkeiten für Begegnung und Austausch.

„Ich habe mich nie in einer solchen Position gesehen.“

Für Stockinger ist der Schritt in die künstlerische Leitung nach eigenen Worten selbst überraschend gekommen. „Eigentlich habe ich mich nie in einer solchen Position gesehen“, sagt sie. Ausschlaggebend sei aber ihre Begeisterung für Literatur und Theater. „Es gibt so viele Texte, die mich bewegen, SchriftstellerInnen, deren Arbeiten mich begleiten, und KünstlerInnen, die mich nicht loslassen – und die Lust, diese Begeisterung mit anderen zu teilen.“

Auch Thomas Bernhard, dessen Werk sie seit ihrer Jugend begleitet, will sie aus neuen Perspektiven betrachten. Bergmann blickt ebenfalls zuversichtlich auf den Wechsel: Stockinger verbinde „künstlerische Begabung mit Neugier, Mut und einer großen Offenheit für Menschen“. Sie sei überzeugt, dass ihre Nachfolgerin den eingeschlagenen Weg mit „einer ganz eigenen Handschrift“ weiterentwickeln werde.

40 Jahre Festwochen Gmunden

Die personelle Übergabe markiert zugleich den Beginn eines besonderen Jahres: 2027 feiern die Salzkammergut Festwochen Gmunden ihr 40-jähriges Bestehen. „Dieser Generationenwechsel verbindet Kontinuität mit Aufbruch – und genau darin sehen wir die Zukunft der Salzkammergut Festwochen Gmunden“, freut sich die kaufmännische Geschäftsführerin Johanna Mitterbauer.