In Wäldern und auf Wiesen finden Tiere aktuell vielerorts kaum noch Wasser. Rehe, Igel, Eichhörnchen und Vögel suchen deshalb nach Alternativen – und kommen dabei immer öfter in die Nähe von Häusern und Siedlungen.
Erste Tiere sterben an der Trockenheit
Dass die Lage sehr ernst ist, das bestätigt auch der Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner: „Wir bekommen immer mehr Meldungen rein, dass bereits verendete Tiere, verdurstete Tiere gefunden werden.“ Viele Tiere seien aktuell körperlich in schlechtem Zustand und stark abgemagert.
Die Jägerschaft richtet deshalb mittlerweile vielerorts zusätzliche Wasserstellen ein. Gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr, dass Tiere bei ihrer verzweifelten Suche nach Wasser in für sie gefährliche Situationen geraten.
Wasserstellen werden zur tödlichen Falle
Immer wieder müssen Feuerwehren ausrücken, wenn Wildtiere in Swimmingpools geraten oder in Kanäle stürzen. „Leider sind auch schon viele Tiere ertrunken“, sagt Sieghartsleitner. In einem Kanal seien kürzlich sogar zwölf Rehe gefunden worden, die beim Versuch, Wasser zu erreichen, hineingestürzt und nicht mehr herausgekommen sind.
Dass Wildtiere mittlerweile sogar menschliche Nähe suchen, sei ein deutliches Warnsignal. Sieghartsleitner spricht von einer „totalen Notsituation“, unter der die Wildtiere leiden. Die Tiere würden diese Nähe nicht freiwillig suchen, sondern nur deshalb, weil sie keine andere Möglichkeit mehr fänden, ihren Durst zu stillen.
Wildtiere sind am Stress-Limit
Die Jägerschaft appelliert deshalb auch an Spaziergänger und andere Naturliebhaber, die Tiere jetzt möglichst wenig zu stören. Auf den Wegen bleiben, keinen unnötigen Lärm machen und Hunde an der Leine führen – das sei derzeit besonders wichtig.
„Wildtiere ertragen momentan wirklich keine zusätzliche Stresssituation“, sagt Sieghartsleitner. Die Tiere seien durch die Suche nach Nahrung und Wasser ohnehin bereits stark gefordert.
Auch Bäume kämpfen um Wasser
Die Trockenheit hinterlässt aber auch im Wald deutliche Spuren. Bäume werfen teilweise bereits ihre Blätter ab oder beginnen zu vertrocknen. Franz Kepplinger, Obmann des Waldverbands Oberösterreich, beschreibt die Situation als Kampf ums Wasser: „Die Trockenphase und die extreme Hitze haben dem Wald wirklich zugesetzt.“ Die Bäume seien aktuell deshalb deutlich geschwächt.
Das kann weitreichende Folgen haben. Geschädigte Bäume sind anfälliger für andere Gefahren wie den Borkenkäfer. Entscheidend sei deshalb, dass sich die Wasserversorgung des Waldes wieder erhole. „Irgendwann muss der Grundwasserspiegel wieder steigen, damit die Bäume wieder aus dem Vollen schöpfen können“, sagt Kepplinger.
Hohe Nachfrage nach Waldbrandversicherungen
Zusätzlich steigt mit der Trockenheit die Gefahr von Waldbränden. Beim Waldverband melden sich laut Kepplinger inzwischen zahlreiche Waldbesitzer, die sich wegen der zunehmenden Brandgefahr versichern wollen.