Als Nadine und Thomas Sperl aus St. Johann am Walde (Bezirk Braunau) Freitagfrüh mit dem Auto auf dem Weg zu einer Untersuchung ins Krankenhaus waren, entdeckten sie die blutüberströmte, schwer verletzte Frau am Straßenrand in Mettmach. Sofort blieb Sperl, ein Steinmetz und Feuerwehrmitglied, stehen und half der 30-jährigen Frau aus Polen, die von ihrem Ex-Partner mit einem Messer attackiert worden war, ins Auto.

Autofahrer zog den Täter in den Straßengraben

Es sei reiner Instinkt gewesen, sagte der gelernte Steinmetz aus St. Johann. „Ich bin ausgestiegen, die Frau hat Englisch gesprochen und gesagt, dass ein gefährlicher Mann hinter ihr her ist. Ich hab sie daraufhin auf die Rückbank gesetzt.“

Genau in diesem Moment rannte auch der mutmaßliche Täter, ein 37-jähriger Rumäne, über die Wiese auf das Auto zu und versuchte, die Autotür zu öffnen – so die Schilderung der Augenzeugen. „Ich bin dann nochmal ausgestiegen, hab ihn rückwärts gepackt – ich war voller Adrenalin“, schilderte Sperl, der durch das Gerangel mit dem Angreifer im Straßengraben landete.

Thomas Sperl bewies Zivilcourage

Thomas Sperl war gemeinsam mit seiner Frau Nadine im Auto unterwegs, als die beiden die schwerverletzte Polin auf der Straße sahen.

Seine hochschwangere Frau Nadine saß im Auto und musste die Rangelei mit ansehen. „Ich bin nur wahnsinnig stolz darauf, wie mein Mann die Situation gelöst hat. Wäre er nicht gewesen, hätte das alles noch viel schlimmer ausgehen können.“

Nadine Sperl: „Das hätte alles noch viel schlimmer ausgehen können.“

Thomas Sperl war gemeinsam mit seiner Frau Nadine im Auto unterwegs, als die beiden die schwerverletzte Polin auf der Straße sahen.

„Hinlaufen, wo andere weglaufen“

Die Zivilcourage habe Thomas Sperl vor allem durch seine Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Frauschereck gelernt. „Bei der Feuerwehr lautet der Leitsatz: Hinlaufen, wo andere weglaufen.“ Als „Held“ würde sich der Steinmetz aber nicht bezeichnen: „Das hätte jeder andere genauso gemacht. Wenn man jemandem helfen kann, dann macht man das.“

Nachdem sich Thomas Sperl wieder in das Auto gerettet und die Türen verriegelt hatte, soll der mutmaßliche Täter noch mehrere Male auf das Auto des Ehepaares eingestochen haben. „Wir sind dann weggefahren und haben den Notruf gewählt“, so das Ehepaar aus St. Johann am Walde.

Ermittlungen wegen Mordverdachts

Der Mann wurde kurze Zeit darauf festgenommen. Bei seiner Einvernahme am Samstag behauptete der 37-jährige Rumäne, er könne sich aufgrund der starken Alkoholisierung nicht mehr an die Tat erinnern. Am Sonntag wurde laut Staatsanwaltschaft die Untersuchungshaft über den Verdächtigen verhängt.

Die 30-jährige Polin befindet sich noch im Krankenhaus, sie ist außer Lebensgefahr und bereits ansprechbar. In den kommenden Tagen soll auch sie einvernommen werden. Ermittelt wird wegen Mordverdachts.