Innerhalb von wenigen Minuten verwandelten sich am Donnerstagabend kleine Wildbäche in reißende Flüsse. In Uttendorf (Pinzgau) zog der Tobersbach, wie berichtet, in der Nacht auf Freitag eine regelrechte Schneise durch das Ortszentrum, nachdem ein Rückhaltebecken den Wassermassen nicht mehr Stand halten konnte. Mehr dazu in: Schwere Unwetter fordern Feuerwehren im ganzen Land (salzburg.ORF.at; 6.8.2026). Derzeit wird die Lage bei Tageslicht erkundet.
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Die Gemeinde sei vor Schlimmerem bewahrt geblieben, schilderte der Uttendorfer Einsatzleiter Florian Schelt, zumal keine Häuser direkt betroffen waren: „Die ersten Eindrücke waren katastrophal. Wir haben oben eine Sperre gehabt, die ist einmal fast übergegangen gewesen. Dann ist sie gebrochen, dann ist der ganze Bach übergegangen.“
Eigentlich hätten die Arbeiten für die Wildbachverbauung dort im Herbst starten sollen. Nach den aktuellen Ereignissen sollen sie aber vorgezogen werden und sofort starten, heißt es vom zuständigen Landesrat Maximilan Aigner (ÖVP). Alle benötigten Genehmigungen liegen vor. Bis 2030 werden insgesamt rund 5 Millionen Euro investiert. Der Bund trägt 60 Prozent der Kosten, das Land Salzburg rund 16 Prozent – die Gemeinde beziehungsweise die Genossenschaft gemeinsam den Rest.
Stuhlfelden: 13 Personen aus Häusern evakuiert
Anders in Stuhlfelden: Hier mussten 13 Personen aus mehreren Wohnhäusern in Sicherheit gebracht werden. Verletzt worden ist niemand.
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Im Stuhlfeldener Ortsteil Pirtendorf sind tagsdarauf 100 Feuerwehrleute aus mehreren Pinzgauer Gemeinden im Einsatz, zudem sehr viele Freiwillige, die hier mithelfen, Gebäude von Schlamm und Schutt zu befreien.
„Knochenarbeit: Schlamm ist hart wie Beton“
Dazu Bezirksfeuerwehrkommandant Bernhard Kaserer: „Das ist Knochenarbeit. Der Schlamm ist mittlerweile so hart, teilweise wie Beton, er muss mit Wasser aufgeweicht werden, sodass wir ihn aus den Häusern herausbringen. Echte Knochenarbeit.“
Aufräumarbeiten nach schweren Unwettern
Viel zu lang wars viel zu trocken. Und jetzt kommen dann doch Niederschläge – in einigen Regionen viel zu schnell und viel zu viel auf einmal. So geschehen gestern Abend in Teilen des Pinzgaus und im Gasteinertal. Uttendorf und Stuhlfelden waren besonders betroffen. Der heutige Tag ist im Zeichen der Aufräumungsarbeiten gestanden.
Auch 17 Wasserrettungskräfte halfen bereits in der Nacht, indem sie etwa die anderen Einsatzkräfte absicherten. Und auch an den aktuellen Aufräumarbeiten sind drei Wasserretter beteiligt.
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Größte Schadstellen im Land Salzburg
Stuhlfelden (Pinzgau):
Pirtendorferbach: fünf zerstörte Brücken und fünf beschädigte Häuser; Schutzbauwerk mit zirka 8.000 Kubikmetern gefüllt (das entspricht fast 100 offene Standardgüterwaggons).
Uttendorf (Pinzgau):
Tobersbach: Bach ist am Unterlauf über die Ufer getreten. Ein Haus am Rande betroffen. Weiters großflächige Flurschäden.
Bad Gastein (Pongau)
Kötschachbach: Drei Sperren mit zirka 25.000 Kubikmetern gefüllt (das entspricht fast 300 offenen Standardgüterwaggons – mit einer Länge von mehr als vier Kilometern). Straße verlegt, Infrastruktur betroffen.
Thomatal (Lungau):
Schilchergraben und Pichlgraben: Landesstraße verlegt, Aufräumarbeiten laufen.
Straßen und Brücken durch Muren weggerissen
Auch im Gasteinertal (Pongau) hat das Unwetter Schäden angerichtet. Im Kötschachtal etwa wurden eine Straße und Brücken durch Muren teilweise weggerissen. Sechs Gäste der eingeschlossenen Posauerhütte mussten vom Hubschrauber ausgeflogen werden.
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Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst hat sich Freitagfrüh mittels Hubschrauber einen Eindruck von der Lage im Gasteinertal gemacht. „Die gute Nachricht ist, dass es ein isoliertes Ereignis war. Es gibt so gut wie keine Schäden, bis auf die Mure im Kötschachtal. Diese hatte es jedoch in sich. Nach Abgängen in den Jahren 2017 und 2023 hat sie gestern wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Die Ursache ist eine eindeutige Auswirkung des Klimawandels.“
Ausbaggern der Wildbachsperren in vollem Gang
Der Sektionsleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung, Gebhard Neumayr, sagte: „Die bestehenden Verbauungen und Sperren haben in der vergangenen Nacht definitiv Schlimmeres verhindert und sich im Ernstfall bewährt. Ohne die Verbauungen wäre es etwa in Uttendorf zu einer Katastrophe gekommen."
Bad Bruck, ein Ortsteil von Kötschach, wäre nach Neumayrs Einschätzung ohne die Schutzbauten massiv in Mitleidenschaft gezogen worden: „Das Wichtigste ist, dass jetzt die Sperren so schnell wie möglich ausgebaggert werden. In Dorfgastein wurde etwa bis zuletzt tagelang gearbeitet. Das war essenziell, sonst wäre die ÖBB-Strecke vermutlich in der Nacht massiv beschädigt worden.“
Etliche Wildbachsperren sind derzeit prall gefüllt, sagte Katastrophenreferent Stefan Herbst: „Die Prämisse ist, die Sperren so rasch als möglich zumindest bis zur Hälfte zu entleeren, damit das nächste Gewitter dort dann wieder aufgenommen werden kann, wenn Geschiebematerial nachkommt.“
Hunderte Einsatzkräfte unterwegs
Bisher stehen mehr als 650 Feuerwehrleute von 32 Feuerwehren im Einsatz. Die Aufräumarbeiten werden wohl mehrere Tage andauern.