Es beginnt mit einem feinen Hip-Hop-Konzert und endet mit einer betulichen Predigt für Toleranz und Emanzipation: Der Bogen, den Jette Steckel mit ihrer Neuinszenierung von Molières „Der Menschenfeind“ spannt, ist erstaunlich weit. Bei der Festspiel-Premiere gab es am Samstag im Salzburger Landestheater viele „Bravos“ und wenige „Buhs“.
Festspiele: Vorbericht zu „Menschenfeind“
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Molieres Protagonist Alceste kritisiert die Menschen – spricht offen aus was er denkt – das steht aber der Etikette entgegen. Der Menschenfeind eckt an – und verscherzt es sich zunächst mit einem jungen Dichter – der ihn auffordert ihm „ehrlich“ seine Meinung zu sagen. Und letztlich mit der ganzen Gesellschaft.
„Wie viel Ehrlichkeit verträgt der Mensch?“
Moliere kritisierte in seinem Text die Scheinheiligkeit der höfischen Gesellschaft seiner Zeit. Erstaunlich gut lässt sich die Komödie aber auch auf heutige Oberflächlichkeiten ummünzen. So stellt sich auch 360 Jahre nach der Uraufführung die Frage: Wie viel Ehrlichkeit verträgt der Mensch?
Steckel, 1982 geborene Berlinerin, die 2009 beim Young Directors Project ihr Festspiel-Debüt gab, hatte ein Triptychon aus Musik, Video und Schauspiel versprochen. Siebenmal ist der Menschenfeind – eine Koproduktion mit dem Hamburger Thalia Theater – bis 28. August im Salzburger Landestheater zu sehen.