Das Forschungsteam nutzte das Inouye-Sonnenteleskop auf Hawaii, um die feinsten Details der Sonnenoberfläche aufzunehmen. Die Bilder, die am Mittwoch im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht wurden, liefern ein weitaus komplexeres Bild der Oberflächenschicht der Sonne und ihrer magnetisch aktiven Regionen als bisher bekannt.
Die sichtbare Oberfläche der Sonne – die Photosphäre – ist eine dünne Schicht ihrer Atmosphäre. In dieser Schicht wird das flüssige Plasma transparent, sodass Licht entweichen kann. Dieser Bereich ist dynamisch und komplex und wird von zahlreichen Faktoren wie etwa Magnetfeldern beeinflusst.
Der untersuchte Bereich ist eine magnetisch aktive Zone in der Nähe eines Sonnenflecks. Auf den neuen hochauflösenden Bildern scheint die Sonnenoberfläche vorwiegend von bandartigen und wirbelartigen Strukturen geprägt zu sein.
Phänomen der Strömungsdynamik entdeckt
Das Forschungsteam bringt diese Strukturen mit Kelvin-Helmholtz-Instabilitäten in Verbindung, einem klassischen Phänomen der Strömungsdynamik: Wenn zwei Flüssigkeiten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aneinander vorbeigleiten, bilden sich wellenförmige Strukturen. Ein Beispiel dafür sind etwa Wellen auf einem See während eines Sturms.
Die neuen Aufnahmen sind der erste bekannte Nachweis dieses Phänomens auf der Sonnenoberfläche. Die Entdeckung dieser Instabilitäten hat weitreichende Implikationen für das Verständnis von Magnetfeldern in solaren Objekten.
„Diese Beobachtungen ermöglichen es uns, die Dynamik von Magnetfeldern in der Photosphäre besser zu verstehen“, heißt es in der Studie. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Prozesse zu erklären, die zu Sonnenstürmen und anderen solaren Phänomenen führen, die auch Auswirkungen auf die Erde haben können, so das Forschungsteam.