So wurde etwa das Element Helium durch den französischen Astronomen Jules Janssen bei der Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis vom 18. August 1868 in Indien entdeckt – in Form einer neuen gelben Linie im Lichtspektrum der Sonne, die von einem bis dahin unbekannten Element, dem Helium, verursacht wird.
Ein Bild des britischen Astrophysikers Arthur Eddington von der totalen Sonnenfinsternis am 29. Mai 1919 von der Insel Príncipe aus ging damals um die Welt und machte Albert Einstein endgültig berühmt: Anhand der Position von Sternen neben der abgedeckten Sonne konnte die Allgemeine Relativitätstheorie des Physikers bestätigt werden, wonach Licht durch das Schwerefeld der Sonne abgelenkt wird.
Spezielle Filter notwendig
Heute interessiert sich die Forschung vor allem für die dynamische Atmosphäre der Sonne, also die Chromosphäre und die Korona, die üblicherweise nicht zu sehen sind, „weil das Licht, das von der Oberfläche der Sonne – der Photosphäre – kommt, Millionen Mal heller ist“, so Astrid Veronig, Leiterin des Fachbereichs für Astrophysik und Geophysik an der Universität Graz gegenüber der APA.
Nur mit speziellen Filtern lassen sich diese Bereiche der Sonne beobachten, oder „wenn der Mond das helle Licht der Sonnenscheibe abblendet und man für kurze Zeit die Chromosphäre und etwas länger die Korona beobachten kann“, wie die Astrophysikerin und Wissenschaftsdirektorin der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Carole Mundell, kürzlich vor Journalistinnen und Journalisten das Interesse der ESA an dem Naturphänomen erklärte.
Nur totale Finsternis für Sonnenphysik interessant
Eine partielle Sonnenfinsternis, wie sie etwa in Österreich am 12. August zu sehen ist, ist dabei wenig relevant. „Wissenschaftlich interessant für die Sonnenphysik ist nur eine totale Sonnenfinsternis“, so Veronig. Dabei lassen sich zum Beispiel koronale Massenauswürfe beobachten, bei denen große Mengen an Sonnenplasma samt Magnetfeld ins Weltall geschleudert werden.
Diese Ausbrüche können sich auch Richtung Erde bewegen und deren Magnetfeld ordentlich durcheinander schütteln. Die Folgen reichen von harmlosen Polarlichtern bis zu schwerwiegenden Schäden an Satelliten, terrestrischen Transformatoren, Kommunikations- und Energiesystemen.
Mit Koronographen lässt sich zwar eine künstliche Sonnenfinsternis erzeugen, indem in einem Teleskop eine Scheibe das direkte Sonnenlicht abblendet. Das Problem dabei ist aber das Streulicht an der Scheibe, das die Beobachtung erschwert. Macht man die Abdeckscheibe größer, um das Streulicht zu minimieren, blendet man einen großen Teil der unteren Korona aus – „genau jenen Bereich, wo viel Dynamik stattfindet, die uns in der Sonnenphysik interessiert und die relevant ist für die Beschleunigung des Sonnenwinds“, so Veronig.
„Clear skies!“
Das Schöne sei, dass uns Mond und Sonne rein zufällig am Himmel gleich groß erscheinen und der Mond bei einer totalen Finsternis „die Sonne so perfekt abblendet, dass man wirklich sehr gut den Übergang von der Sonnenoberfläche zur unteren Korona beobachten kann“.
Kein Wunder also, dass weltweit Forschungsgruppen ihre Instrumente zusammenpacken, damit in die Totalitätszone reisen und hoffen, zumindest ein paar Minuten freie Sicht auf das Phänomen zu haben. Abseits des wissenschaftlichen Interesses freuen sich alle Forscherinnen und Forscher einfach auch auf das Erlebnis der Sonnenfinsternis: „Wir werden arbeiten, und dann werden wir uns hoffentlich diese eineinhalb Minuten Zeit nehmen, um es uns anzusehen“, so Mundell, und weiter: „Daumen drücken für klaren Himmel!“