Das Team analysierte mehr als tausend Einträge aus zeitgenössischen Quellen über die „Magdalenenhochwasser“ genannten Ereignisse und ihre Auswirkungen. „Wo historische Aufzeichnungen lückenhaft sind, wurden moderne Hochwasser mit ähnlichen Bedingungen ausgewählt und Analogieschlüsse gezogen“, erklärt Günter Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der TU.

Perlenkette von 16 Flutereignissen

Im Jahr 1342 um den Tag der Heiligen Maria Magdalena (22. Juli) traten die Donau, Moldau, Elbe, der Rhein, Main und weitere Flüsse über die Ufer und setzten Mitteleuropa unter Wasser. „Viele tausend Menschen starben in den Fluten“, so die Historikerin Andrea Kiss von der TU Wien: „Dazu kamen zahlreiche Todesfälle durch Hunger und Krankheiten.“

„Wir können Monat für Monat rekonstruieren, wann welche Gegenden Europas betroffen waren“, so Kiss in einer Aussendung der TU Wien: „Wie eine Perlenkette zieht sich eine Serie von insgesamt sechzehn miteinander zusammenhängenden Hochwasserereignissen um das Jahr 1342.“

Sie forderten nicht nur viele Todesopfer, sondern richteten auch großen wirtschaftlichen Schaden an. So wurden laut Berichten fast alle Brücken in den betroffenen Regionen zerstört und somit die wichtigen Handelswege unterbrochen. Zum Beispiel die damalige Steinbrücke in Prag, wo jetzt die Karlsbrücke über die Moldau führt.

Vulkanausbrüche, weniger Eis und Sonnenaktivität

Diese Häufung war kein Zufall, sondern wurde von mehreren Faktoren begünstigt, erklärt die Forscherin: Um 1340 und 1341 ereigneten sich ungewöhnlich viele Vulkanausbrüche. „Schwefelhaltige Aerosole in der Atmosphäre können zu einer Abkühlung führen und großräumige Zirkulationsmuster verändern.“

Außerdem war damals das arktische Meereis deutlich geschrumpft und die Sonnenaktivität recht niedrig. „Das Zusammenspiel dieser Faktoren könnte intensive Tiefdruckgebiete, langanhaltende Niederschläge und damit die ungewöhnliche Flutserie begünstigt haben“, sagt Kiss. Rund um den Globus gebe es Hinweise auf Extremwetterereignisse, die mit den damaligen Bedingungen zusammenhängen, schreibt das 36-köpfige Forschungsteam soeben im Fachmagazin „Nature“.

Schutzmaßnahmen anpassen

Die Hochwasserserie rund um die „Magdalenenflut“ sei stärker gewesen als alle Hochwasser seit der Jahrtausendwende in Mitteleuropa. Da mit der seit der Industrialisierung beobachteten Klimaerwärmung das Risiko auch für „Jahrtausendhochwasser“ steigt, plädieren die Fachleute für bessere Vorbeugemaßnahmen.

Auch heute müsse man damit rechnen, dass mehrere große Überschwemmungen knapp nacheinander auftreten können: Man sollte für solche „Megaevents“ vorsorgen, erklärt Blöschl. „Es dauert derzeit nach einem Hochwasser eine Zeit lang, bis man sich davon erholt hat.“ Die Katastrophenmaßnahmen müssten so gestaltet sein, dass sie auch in rascher Abfolge funktionieren.