Auf dem 19. Abschnitt über 127,9 km von Gap zum Alpe d’Huez hatte Pogacar bei der Anfahrt zu den berühmten 21 Kehren noch großen Rückstand auf die dreiköpfige Spitzengruppe bestehend aus Richard Carapaz aus Ecuador, dem Franzosen Lenny Martinez und Sepp Kuss aus den USA. Doch der 27-Jährige bahnte sich wie ein Pflug seinen Weg durch die Massen und schob sich an die Führenden heran.
1,7 km vor dem Ziel holte Pogacar schließlich Carapaz, der am Vortag triumphiert hatte, ein. 750 Meter vor der Ziellinie setzte er die entscheidende Attacke und holte sich vor dem französischen Lokalmatador Martinez und Carapaz seinen fünften Tagessieg bei der 113. Rundfahrt durch Frankreich. Pogacar ist der erste slowenische Sieger in Alpe d’Huez, das erstmals seit vier Jahren wieder angefahren wurde.
Pogacar bewältigte den 13,8 km langen Schlussanstieg in 35:26 Minuten und war damit 1:24 Minuten schneller als der 2004 verstorbene Pantani. Der Italiener hatte den Berg 1995 in 36:40 Minuten erklommen. Pogacar radelte dabei mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,3 km/h durch die Serpentinen.
In der Gesamtwertung vergrößerte der Slowene seinen Vorsprung auf den Niederländer Remco Evenepoel, der mit fast zweieinhalb Minuten Rückstand ins Ziel kam, auf 7:11 Minuten. Nur noch ein Sturz auf den noch offenen drei Etappen kann den fünften Tour-Sieg des 27-Jährigen, der auf der 19. Etappe lange von seinem UAE-Teamkollegen Felix Großschartner unterstützt wurde, verhindern.
Dank an Großschartner
Seinen Triumph nahm Pogacar betont locker. „Ich habe so gefeiert wie immer. Es ist sehr cool, hier oben zu gewinnen. Es war eine verrückte Atmosphäre. Ich danke meinem Team, ich bin auch für sie gefahren. Ich bin sehr glücklich“, sagte der Slowene. Vor allem sein österreichischer Stallgefährte Großschartner, der als 42. ins Ziel radelte, hätte zu Beginn des Anstiegs mit „super Tempo“ die Basis für die spätere Aufholjagd gelegt.
Danach habe er seine aktuelle Topform voll ausgespielt, so Pogacar, der sich auch von den gefährlich nahe kommenden Fans nicht beirren ließ: „Ich hatte sehr gute Beine. Es gibt nur wenige Leute, die dann mit mir mithalten können. Am Ende musste ich noch gegen starke Gegner kämpfen. Die waren aber mit sich beschäftigt, deshalb konnte ich aufschließen.“ Nun freue er sich auf die 20. Etappe, wo vor dem neuerlichen Ziel in Alp d’Huez drei Anstiege der schwersten Kategorie, darunter jener auf den Col du Galibier, anstehen: „Das wird der härteste Tag.“
Schockmoment für Haller
Für eine Schrecksekunde sorgte Marco Haller. Der Kärntner Tudor-Profi verlor bei Kilometer 77 nach der Abfahrt vom Col du Noyer die Spur, konnte nicht rechtzeitig bremsen und krachte gegen den Betonsockel eines Verkehrsschildes. Haller hatte dabei großes Glück, dass der Sockel mit Schutzpolstern versehen war. Der 35-Jährige wurde zwar kurz vom offiziellen Tour-Arzt im Fahren durchgecheckt, konnte das Rennen aber ohne sichtliche schwere Blessuren fortsetzen.
113. Tour de France
19. Etappe
Gap - Alpe d'Huez (127,9 km): 1. Tadej Pogacar SLO 3:17:57 2. Lenny Martinez DEN + 0:06 3. Richard Carapaz ECU 0:09 4. Sepp Kuss USA 1:14 5. Tobias Johannessen NOR 2:07 6. Remco Evenepoel BEL 2:29 7. Isaac Del Toro MEX 2:41 8. Mattias Skjelmose DEN 2:45 9. Paul Seixas FRA -"- 10. Harold Tejada COL 3:22 42. Felix Großschartner AUT 16:40 158. Marco Haller AUT 32:51
Gesamtwertung
Stand nach 19 von 21 Etappen: 1. Tadej Pogacar SLO 67:53:00 2. Remco Evenepoel BEL 7:11 3. Isaac Del Toro MEX 9:42 4. Paul Seixas FRA 10:06 5. Lenny Martinez FRA 13:00 6. Mattias Skjelmose DEN 13:09 7. Juan Ayuso ESP 15:58 8. Richard Carapaz ECU 21:15 9. Tom Pidcock GBR 21:30 10. Jordan Jegat FRA 23:21 31. Felix Großschartner AUT 2:13:21 147. Marco Haller AUT 5:20:06