Es war die zweite Runde des Grand Prix von Deutschland 1976, der zum letzten Mal auf der zwar legendären, aber brandgefährlichen „Nordschleife“ in der Eifel über die Bühne ging. Kurz vor dem Abschnitt „Bergwerk“ des knapp 21 km langen Kurses raste Laudas Ferrari nach einem Defekt in die Streckenbegrenzung und ging in Flammen auf. Als der folgende Brett Lunger in das Wrack prallte, verlor der Österreicher seinen Helm und wurde bewusstlos.
Mehr als eine halbe Minute saß Lauda in dem brennenden Wrack, obwohl ihm mehrere Konkurrenten zur Hilfe eilten. Arturo Merzario zog den Weltmeister schließlich aus dem brennenden Wagen. Mit lebensgefährlichen Verbrennungen und einer stark geschädigten Lunge wurde Lauda ins Krankenhaus eingeliefert. Es folgten mehrere Hauttransplantationen und ein Kampf ums Überleben.
Laudas Horror-Unfall jährt sich zum 50. Mal
Niki Lauda ist 1976 auf der Nordschleife des Nürburgrings schwer verunglückt. Sein Ferrari fing Feuer, Lauda war in den Flammen gefangen. Es folgte ein dramatischer Überlebenskampf. Wenige Wochen später kehrte er in die Formel 1 zurück.
Comeback nach nur sechs Wochen
Doch nur sechs Wochen nach dem Unfall kehrte Lauda in Monza in den Grand-Prix-Zirkus zurück und fuhr sensationell auf Rang vier. Den unglückseligen Tag des Unfalls, an dem auch die Wiener Reichsbrücke eingestürzt war, hatte Lauda rasch und vollständig verarbeitet. „Ich bin nach sechs Monaten wieder so gefahren wie früher oder sogar besser, und das kann man nur dann, wenn man ein Problem hundertprozentig gelöst hat“, erklärte er einmal.
„Die schnelle Rückkehr gehörte zu meiner Strategie, nicht lange daheimzusitzen und darüber nachzugrübeln, warum und wieso mir das Ganze widerfahren ist“, meinte Lauda. Ein Jahr nach dem Unfall gewann der Wiener seinen zweiten WM-Titel. Mit den berühmten Worten „Ich will nicht mehr blöd im Kreis herumfahren“ trat er 1979 zurück, ehe er drei Jahre später sein Comeback gab und 1984 Titel Nummer drei einfuhr.
Die Erinnerungen an den schweren Unfall verarbeitete Lauda in späterer Zeit auch mit seinem typischen Humor. So bezeichnete Lauda das Feuerinferno schon einmal als „Barbecue“. Zum 30. Jahrestag hielt er sich beim Besuch der Unfallstelle zusammen mit seinem Lebensretter, Merzario, ein Schweinsohr neben das Gesicht. Einmal narrte er eine US-TV-Reporterin, indem er dort einen zuvor heimlich weggeworfenen Keks als sein „wiedergefundenes“ Ohr identifizierte.
Rote Kappe wird zum Markenzeichen
Auf den Rennsport folgte für den Wiener eine ebenso erfolgreiche wie bewegte Laufbahn als Unternehmer in der Luftfahrt. Der Absturz einer Lauda-Air-Maschine 1991 in Thailand stellte dabei seine wohl dunkelste Stunde dar. Der Formel 1 blieb Lauda als Ferrari-Berater, Jaguar-Teamchef und später als Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams erhalten. Mit Landsmann Toto Wolff formte er den Rennstall zur damals dominierenden Kraft im GP-Zirkus.
Was Lauda auch und vor allem gekennzeichnet hat, ist seine rote Kappe. Diese machte den Österreicher zusammen mit seinen sportlichen Erfolgen und der einzigartigen Lebensgeschichte zu einer „Weltmarke“. Das Jahr seines schweren Unfalls sowie die damalige Rivalität mit dem britischen Rennfahrer James Hunt wurde zudem eindrucksvoll verfilmt. „Rush“ kam 2013 auf die Leinwand und wurde zum Kinohit.
Nach einer im Sommer 2018 notwendigen Lungentransplantation kämpfte Lauda zunehmend mit gesundheitlichen Problemen. Am 20. Mai 2019 verstarb er im Alter von 70 Jahren im Kreis seiner Familie. Der Mann, der den Feuerunfall auf dem Nürburgring wie durch ein Wunder überlebt hatte und danach noch zwei Weltmeistertitel gewann, hinterließ ein wohl einzigartiges Vermächtnis.