Mit drei Etappen in der Schweiz wird am 1. August die diesjährige Tour de France Femmes eröffnet. Danach folgen im Südwesten von Frankreich sechs weitere Abschnitte. Mit insgesamt 1.175 km und 18.795 Höhenmetern geht die Rundfahrt der Frauen so weit und so hoch hinauf wie noch nie so zuvor seit deren Neubeginn 2022.

Schlusspunkt der neuen Rekordtour ist eine Etappe von und nach Nizza, wo dreimal der Anstieg zum Col d’Eze absolviert werden muss – die Schlüsselstelle des Fernfahrklassikers ParisNizza. Auf der berühmten Promenade des Anglais an der Cote d’Azur wird die Nachfolgerin der Französin Pauline Ferrand-Prevot gekürt.

Übliche Verdächtige kämpfen um Sieg

Eventuell ist es auch erneut die 34-Jährige, die sich über den Gesamtsieg freuen darf. Die Mountainbike-Olympiasiegerin von Paris hat damit in ihrer Heimat eine Rieseneuphorie ausgelöst. In diesem Jahr konnte Ferrand-Prevot aber noch nicht sonderlich überzeugen. Die größten Chancen dürfte die Niederländerin Demi Vollering haben, die bereits 2023 die Rundfahrt gewann. Auch mit der Polin Kasia Niewiadoma, der Gesamtsiegerin von 2024, ist immer zu rechnen.

So wie bei den Männern ist Österreich auch bei den Frauen mit zwei Fahrerinnen mit dabei. Christina Schweinberger ist Teil des Teams Fenix-Premier Tech und war bisher bei jeder Tour de France Femmes mit von der Partie. Dazu kommt auch so wie in den vergangenen beiden Jahren die ehemalige Ruderin Valentina Cavallar, die für Team SD Worx – Protime an den Start geht.

Auch bei den Damen fährt der Name Tadej Pogacar mit. Dort aber nur als Name des Lebensgefährten von Urska Zigart. Die Slowenin war erst im Juni bei der Tour de Suisse schwer gestürzt und hatte mit einem Kieferbruch eine Zwangspause einlegen müssen. Als Siegeskandidatin wäre Zigart ohnehin kaum infrage gekommen, für ganz vorne hat es bisher nicht gereicht. Ein sechster Platz bei der Vuelta und ein achter Gesamtrang beim Giro d’Italia waren in diesem Jahr aber schon Achtungserfolge.

Tom Simpsons Schicksalsberg

Die Entscheidung über den Gesamtsieg wird jedenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit auf jenen 15,7 steilen Kilometern fallen, die zum Gipfel des Mont Ventoux führen. Der 1.909 hohe Berg, der sich mit seinem kahlen, an eine Mondlandschaft erinnernden Rücken, wie ein Monument von der malerischen Landschaft abhebt. Bei den Männern wurde der „Riese der Provence“ bereits 18-mal – zuletzt im Vorjahr – bezwungen. Seinen Schrecken hat er in all den Jahren nie verloren.

Das liegt vor allem an der traurigen Berühmtheit, die der Mont Ventoux 1967 erlangte. Auf der 13. Etappe kollabierte der ehemalige britische Weltmeister Tom Simpson rund zwei Kilometer vor dem Gipfel und verstarb trotz verzweifelter Wiederbelebungsversuche am Straßenrand. Der später von einem Journalisten behauptete letzte Satz Simpsons „Setzt mich wieder auf mein Rad“ wurde zum Sinnbild für den Wahnsinn.

Grund für den Tod des Briten war eine schwere Dehydrierung, die allerdings von Doping- und Alkoholmissbrauch vor der Etappe gefördert worden war. Drei Ampullen mit Amphetaminen sollen in der Trikottasche Simpsons gefunden worden sein. Sein tragisches Schicksal wird auch den Athletinnen bei der Tour de France Femmes vor Augen geführt, denn an jener Stelle, wo Simpson kollabierte, erinnert ein Denkmal an den Engländer.

Frauen-Rennen boomt

Eines ist jedenfalls sicher: Beim Anstieg zum Mont Ventoux werden die Fahrerinnen wieder von Tausenden Fans nach oben gepeitscht. Denn gerade in Frankreich wird das Gegenstück zur Männer-Tour sehr gut angenommen. Viele Zuschauer am Straßenrand und gute Einschaltquoten im TV – die Tour-Party geht in Frankreich eine Woche nach dem fünften Triumph von Pogacar in Paris nahtlos weiter.

„Nach nur wenigen Auflagen ist klar, dass unser Rennen wirklich gewachsen ist. Vor vier Jahren machte ich mir Sorgen um die Zukunft des Frauen-Radsports, aber jetzt kann ich mir nichts vorstellen, was sein weiteres Wachstum verhindern könnte“, freute sich Tour-Direktorin Marion Rousse, die Partnerin von Ex-Weltmeister Julian Alaphilippe. Detail am Rande: Der 34-Jährige war 2021, als der „Riese“ gleich zweimal erklettert wurde, bei der ersten Überfahrt der Schnellste auf dem Gipfel.