Die Zukunft trainiert dieser Tage auf dem ÖFB-Campus in Wien-Aspern. Zum bereits fünften Mal wird der Perspektivspielerlehrgang abgehalten. Vor den Augen von ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick, der sich erst nach dem Abschluss der WM-Analyse wieder äußern wird, sowie U21-Coach und Lehrgangsleiter Peter Perchtold sowie Prödl trainieren rund 30 Talente der Jahrgänge von 2008 bis 2011, darunter einige Vizechampions der U17-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr.

Sie sollen selbst A-Weltmeisterschaften spielen, wie es David Alaba und Co. in diesem Sommer getan haben. Die erstmalige Teilnahme nach 28 Jahren, der erste Sieg seit 1990 sowie der erste Aufstieg nach 44 Jahren wurden geschafft. Für Furore wie bei der EM 2024 konnte man nicht sorgen. „Wir sind mittendrin in der Analyse. Fakt ist, dass wir vor zwei Jahren alle Spieler auf einem Toplevel hatten, die zusammen anders Fußball gespielt haben als jetzt. Da gibt es Gründe, die bei jedem individuell zu suchen sind. Da werden in den nächsten Wochen noch darüber grübeln“, so ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel.

Schöttels WM-Analyse: „Gibt individuelle Gründe“

ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel zieht einen Monat nach dem WM-Aus ein Fazit mit Abstand und mögliche Lehren für die Zukunft.

Für Prödl steht fest: „Die Spanier haben sich durchgesetzt, sie waren das gesamte Turnier im technischen Vorteil. Das ist schon auch eine Entwicklung, die uns die Augen öffnet, in dem, wie wir Talente begutachten werden. Es ist das Motto vom Perspektivspielerlehrgang. Dass man sich wieder zurückerinnert fühlt, dort wo das Fußballspielen begonnen hat, auf der Straße, im Garten oder bei der Wäscheleine.“

„Technik nicht in Hintergrund geraten lassen“

Österreichs Stärke der vergangenen Jahre, Bälle zu erobern und schnell zum Abschluss zu kommen, kam beim Weltturnier sehr wenig zum Vorschein. Aber das war auch bei anderen Mannschaften so. „Es war bei der WM ersichtlich, dass sich technisch versierte Mannschaften im Ballbesitz durchgesetzt haben. Und das ist natürlich eine Entwicklung, die auch für uns in Zukunft sehr infrage kommt, dass wir dort wieder die spielerischen Fähigkeiten, Fertigkeiten hervorheben, fördern und umgesetzt haben wollen“, sagte Prödl am Rande in Wien-Aspern.

Prödl über ÖFB-Zukunft: „Beide Welten vereinen“

ÖFB-Nachwuchsleiter Sebastian Prödl zieht ein WM-Fazit und spricht über die Zukunft für die Nachwuchsnationalteams.

Was nicht bedeutet, dass etwa Pressing kein Thema mehr sein werde. „Es heißt, beide Welten zu vereinen, das wird die Zukunft sein, sowohl im Nachwuchs- als auch im Profibereich. Das geht über alle Mannschaften hinweg. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, im Nachwuchs vor allem, und das ist meine Aufgabe auch gemeinsam mit den Teamchefs, die Technik in den Hintergrund geraten zu lassen. Dafür gilt es aber, dass wir das als Gemeinschaftsakt machen.“

Der ÖFB hat seine Nachwuchsmannschaften nur wenige Tage im Jahr, die Nachwuchsarbeit obliegt den Vereinen. Deren Cheftrainer stimmen aber in den Tenor mit ein, wie Hartberg-Trainer Markus Schopp. „Wir legen in der Entwicklung von Spielern viel Wert auf Balleroberer, Vertikalspieler und physische Eigenschaften, aber sind in puncto Kreativität abgehängt worden. Wenn ich mir Spanien anschaue, dann steckt darin ein kontinuierlicher Glaube. So was erwarte ich mir auch in Österreich: Dass wir mit unserer intensiven Spielidee beginnen zu verstehen, was es bedeutet, uns im Ballbesitz anders zu definieren.“

Suche nach den nächsten Stürmern

Ein anderes Thema ist die Suche nach den nächsten Stürmern, die Österreich zu Endrunden schießen sollen. Mit Marko Arnautovic hat der Rekordspieler seine wohlverdiente ÖFB-Pension angetreten, Michael Gregoritsch und Sasa Kalajzdic sind vom WM-Kader übrig, dahinter zeichnet sich wenig ab, wie Rangnick selbst bei der WM festhielt: „Ich schaue viele Spiele der U17, U19 oder U21 und sehe niemanden, der in zwei Jahren in die Fußstapfen treten könnte.“

Während vergleichbare Länder wie Norwegen (Haaland, Sörloth, Nusa), Schweiz (Ndoye, Embolo, Manzambi) und Schweden (Gyökeres, Isak, Elanga) auf mehrere hochkarätige Angriffsoptionen zurückgreifen kann, muss Österreich mit der Lupe suchen. U21-Teamchef Peter Perchtold gibt sich aber optimistisch: „Ich denke schon, dass wir auch in der Offensive vier, fünf Jungs haben, die in den nächsten Jahren mit Sicherheit irgendwo im A-Team aufschlagen werden.“ In seinem Team ruhen etwa die Hoffnungen auf Erik Kojzek, der zwar in Slowenien geboren wurde, sich aber für Österreichs Verband entschieden hat.

Nationalteam-Transfermarkt wird zum Faktor

Auch das wird in den nächsten Jahren ein wichtiges Thema im ÖFB sein. Mit Paul Wanner und Carney Chukwuemeka hat der heimische Verband zwei Schlüsselspieler bereits für diese Weltmeisterschaft gewinnen können. Hier muss der Verband weiterhin nicht nur die Augen offen halten, sondern auch Akzente setzen, wie Prödl weiß.

„Es ist bemerkbar, dass die Spieler, die für die Nation auftreten und vielleicht nicht in diesem Land geboren sind, mehr werden. Wir sind da gewissermaßen im Transfermarkt angekommen. Wir wollen als ÖFB mit überzeugten Spielern arbeiten. Wenn sich eine Möglichkeit auftut, um Spieler zu scouten, um Spieler zu sichten, um ihnen eine Perspektive zu geben, dann werden wir das tun. Da werden wir ganz breit aufgestellt hinschauen.“ Wie beim 15-jährigen gebürtigen Brasilianer, Caua Rirsch da Costa, der nun für das ÖFB-U16-Team spielt.

Vizeweltmeister Stadler mahnt: „Nicht versauern“

Dass in Österreichs Nachwuchs viel Potenzial schlummert, hat nicht zuletzt die U17 im vergangenen Herbst mit dem sensationellen Vizeweltmeistertitel in Katar gezeigt. Teamchef Hermann Stadler mahnt in dieser Hinsicht: „Man muss aufpassen, die Jungs nicht zu sehr zu hypen. Aber wichtig ist, dass sie jetzt, weil die werden alle 18 Jahre alt, dass sie jetzt schon langsam andocken in der Bundesliga und nicht ewig in der zweiten Liga versauern. Ich glaube, dass sicher vier, fünf Spieler dabei sind, die jederzeit in der Bundesliga spielen können.“