Der Posten des „Commissario Tecnico“ (wie der Nationaltrainer offiziell heißt) war bereits seit Anfang April vakant. Damals musste der bisherige Coach Gennaro Gattuso zurücktreten, weil der viermalige Weltmeister in der WM-Qualifikation an Bosnien-Herzegowina gescheitert war. Die intensive Suche nach einem Nachfolger begann dann vor einigen Wochen. In den vergangenen Tagen entwickelte sich die Angelegenheit jedoch zum Chaos.
Erst am Dienstag wies Giorgio Chiellini Spekulationen über einen Wechsel zum italienischen Verband als Technischer Direktor zurück. „Ich möchte klarstellen, dass ich mit meiner Rolle bei Juventus glücklich bin“, sagte der frühere Nationalspieler. Der Wirtschaftswissenschaftler arbeitet als Manager bei seinem früheren Verein Juventus Turin. An der Seite Mancinis soll nun der frühere Trainer der AS Roma, der 74-jährige Claudio Ranieri, neuer Technischer Direktor werden.
Absagen und Rücktritte
Das Bemühen um Starcoach Pep Guardiola war davor ebenso ins Leere gelaufen wie jenes um Carlo Ancelotti (Brasilien-Teamchef). Die Alternative Andrea Pirlo wurde wegen der Zusammenarbeit des Weltmeisters von 2006 mit einem russischen Wettanbieter verworfen. Infolge des Scheiterns des Engagements von Pirlo traten wiederum die erst vor gut zwei Wochen verpflichteten Sportdirektoren Paolo Maldini und Leonardo zurück.
Der ebenfalls erst seit gut einem Monat amtierende Verbandspräsident Malago ist mittlerweile ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. „Italien muss neu gegründet werden“, kommentierte die „Gazzetta dello Sport“ das Geschehen. Begleitet wurde die Trainersuche von einem öffentlichen Schlagabtausch zwischen Sportminister Andrea Abodi und Malago. Abodi bescheinigte dem Verbandschef, dieser gebe eine „unschöne Figur“ ab. Malago konterte, nicht jeder könne über Fehler anderer urteilen.
Plötzlicher Abschied 2023
Mancini war bereits italienischer Nationaltrainer von 2018 bis 2023. Sein Ruf in der Heimat leidet aber bis heute darunter, dass er sich vor drei Jahren trotz bestehenden Vertrages plötzlich als Teamchef nach Saudi-Arabien verabschiedete – angeblich mit einem Vierjahresvertrag für 25 Millionen Euro pro Saison. Er blieb jedoch nur etwas mehr als ein Jahr. Dann wechselte er – sicher ebenfalls gegen gutes Geld – nach Katar zum Verein al-Sadd.