„Ich stehe den Plänen ablehnend gegenüber“, teilte ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll der APA mit. „Mein Zugang geht zu 100 Prozent mit dem Statement der UEFA konform.“ Europas Verband ist der mächtigste Gegner der Pläne, die Ablehnung wurde klar kommuniziert.
„Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, teilte Europas Dachverband mit. Einen Bericht, wonach man den Boykott von FIFA-Wettbewerben erwäge, wollte die UEFA am Mittwochvormittag nicht kommentieren.
Dringlichkeitssitzung der UEFA
Die BBC berichtete, dass es noch diese Woche eine Dringlichkeitssitzung der europäischen Verbände geben soll. Ihr Statement veröffentlichte die UEFA bereits auf Basis eines Berichts der „Times“ und noch bevor die FIFA offiziell die Pläne mitteilte. Als UEFA-Vizepräsident betonte der Deutsche Hans-Joachim Watzke die große Macht der Europäer. „Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht“, sagte Watzke auf Anfrage.
„Fatales Zeichen“: DFB-Präsident rechnet mit FIFA ab
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat die Investorenpläne der FIFA scharf kritisiert. Er werde demnächst mit anderen europäischen Verbänden über das weitere Vorgehen beraten, sagte Neuendorf. Auch an der Kommunikation seitens der FIFA ließ er kein gutes Haar.
Am Mittwoch berichtete die „Times“, dass die FIFA auf eine Zustimmung innerhalb von 53 Tagen setze und dafür eine Summe von 40 Millionen US-Dollar (ca. 35 Mio. Euro) aufrufe. Bei einer Ablehnung hingegen gebe es demnach 10 Millionen US-Dollar (ca. 8,8 Mio. Euro). Dies sei „reine Bestechung“, sagte eine nicht namentlich genannte Person der Zeitung. Von der FIFA gab es zunächst keine Angaben dazu.
Infantino scheiterte mit erstem Plan
Es ist nicht das erste Mal, dass Präsident Infantino aktiv einen vorher nie erlebten Ausverkauf von FIFA-Rechten plant. Im November 2018 warb der Schweizer für einen Investorendeal für die Vermarktungsrechte an einer neuen Club-WM mit 24 Teams sowie einer globalen Nations League mit einem Finalturnier kontinentaler Champions. Es ging um die stolze Summe von 25 Milliarden Dollar. Damals scheiterte Infantino.
Diesmal nannte die FIFA einen Erlös von etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar (rund 3,52 Mrd. Euro). Sollten Infantinos Pläne tatsächlich umgesetzt werden, könnte er nach einer weiteren Periode als Präsident ab 2031 zum Geschäftsführer des neu zu gründenden Tochterunternehmens FFE werden und so nach 15 Jahren Amtszeit weiter mächtig im FIFA-Kosmos wirken.
Auch bei Infantinos Milliardenplänen 2018 ging der europäische Dachverband mit Präsident Aleksander Ceferin in Opposition zum Weltverband – und setzte sich am Ende durch. Ceferin war zudem bei den Super-League-Plänen europäischer Clubs im Jahr 2021 einer der lautesten und prominentesten Gegner. Er kündigte unter anderem an, Profis könnten nicht mehr bei WM und EM spielen, wenn sie Teil dieser Super League würden.
Geld für kleine Verbände
Diesmal wird sich die Opposition komplizierter gestalten, denn Infantinos FIFA will die Fußballwelt und vor allem die kleinen Verbände mit zusätzlichem Geld überschütten. Abseits der Ablehnung aus Europa dürfte es gerade bei kleineren Mitgliedsstaaten eine Zustimmung für die Idee geben, weil sie schlicht für einen deutlichen Anstieg der Einnahmen sorgen. „Hier geht es um die Demokratisierung des Fußballs weltweit“, sagte Infantino.
„Wir beabsichtigen, auch in die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußballwelt, die zu oft übersehen werden, massiv zu investieren“, fügte der Schweizer an. Nach FIFA-Angaben könnten sich die Einnahmen pro Jahr für die Mitgliedsstaaten mehr als verdreifachen – auf im Schnitt bis zu mehr als sieben Millionen US-Dollar pro Jahr bis 2038. Das ist vor allem für kleine Verbände ein riesiges Geschäft.
Enttäuscht zeigte sich neben der UEFA auch die CONCACAF, die die Nationen in Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik vertritt. Der Kontinentalverband bekrittelte das Prozedere. „Wir sind zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens“, hieß es in einem Statement, über das Sky News berichtete. Man habe erst über die Medien davon erfahren. Ähnliches kam von der Asiatischen Fußballkonföderation (AFC): „Wir sind enttäuscht, dass solch ein bedeutender Vorschlag angekündigt wird, bevor wir Zeit hatten, den Plan zu prüfen.“
Heftige Kritik von Blatter
Auch der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter und der neue britische Premierminister Andy Burnham übten heftige Kritik an den jüngsten Plänen. In einem Post auf der Plattform X kritisierte Blatter einmal mehr auch seinen Nachfolger Infantino und dessen Beziehung zu US-Präsident Donald Trump.
„Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen“, schrieb der 90-jährige Schweizer. Bei den Plänen seien auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Trump einbezogen worden, hatte die britische Zeitung „Times“ zuvor berichtet.
„Der Fußball gehört nicht den Investoren. Er gehört den Menschen, die die Tribünen füllen, die an den Seitenlinien stehen, Woche für Woche, bei Regen und bei Sonne“, sagte Großbritanniens Regierungschef Burnham in einem Instagram-Video. „Die WM ist kein Produkt, sie ist der großartigste Wettbewerb auf der Welt. Sie hat niemals jemandem gehört, damit man sie verkaufen kann. Der Fußball hat immer den Anhängern gehört, und er wird es auch immer.“
FIFA behält Kontrolle
Nach Angaben der FIFA sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FFE erwerben können, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar (rund 17,5 Mrd. Euro) festgelegt ist. Im FFE werden die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt.
Die FIFA würde Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben und hätte nach eigenen Angaben auch weiter die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks. Alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, diese könnten entweder behalten oder verkauft werden.