Österreich entging mit dem 3:3 gegen Algerien nur knapp einem enttäuschenden Aus nach der Gruppenphase, im Sechzehntelfinale war gegen den späteren Weltmeister Spanien Endstation. „Ich meine, wir tun jetzt schönreden. Wir brauchen nicht darüber reden, dass die WM sportlich ein richtiger Erfolg war, das ist sie nicht. Wir haben uns, glaube ich, alle ein bisschen mehr erhofft“, so der frühere Spielmacher.

Die Niederlagen gegen den späteren Vizeweltmeister Argentinien (0:2) und Weltmeister Spanien (0:3) waren keine Überraschung, offenbarten aber die Lücke zur Weltklasse. „Ich habe die Spanier vier-, fünfmal im Stadion gesehen. Die haben eine ganz andere Auffassung vom Fußball. Da geht es wirklich um die Spielintelligenz, um das Räume erkennen, um die Supertechnik im ersten Kontakt, das Positionsspiel, das Passspiel“, schwärmte der 57-jährige Wiener bei einem Medientermin.

„Hebel im Nachwuchs ansetzen“

In Österreich wurde dagegen das Pressing forciert. „Wir definieren uns im Fußball schon über Jahrzehnte über ganz andere Geschichten. Das hat in den letzten Jahren gut ausgeschaut, weil von der Intensität her und vom Spiel gegen den Ball, da waren wir richtig super“, meinte Herzog. Die Challenge der Zukunft sei aber, zu hinterfragen, „wie wir eigentlich den österreichischen Fußball sehen wollen“.

Herzog: „Brauchen Umdenken in Nachwuchsausbildung“

Andreas Herzog und Rainer Pariasek sprachen über die Lehren der WM für Österreich und darüber, was der ÖFB mit den Erkenntnissen aus dem Turnier nun für die Zukunft umsetzen sollte.

„Ob wir sagen, wir brauchen schon auch einmal ein paar Kicker drinnen, wo nicht die Größe oder die Wucht, sondern die Spielintelligenz an oberster Stelle steht. Und solche Spieler müssen wir im Nachwuchs fördern. Du kannst ja nur die Hebel im Nachwuchs ansetzen.“ Eine gute Bühne dafür ist etwa der ÖFB-Perspektivlehrgang. Auf dem ÖFB-Campus in Wien trainieren zurzeit Nachwuchsfußballer vor den Augen von ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick.

„Das machen unsere Kinder nicht“

„Die Kinder müssen im Training mehr dribbeln und Abschlüsse haben. Harry Kane sagt, dass er in jedem Training 100-mal aufs Tor geschossen hat. Das ist üben, üben, üben. Das machen unsere Kinder nicht, weil die Schwerpunkte im Training ganz andere sind“, sagte Herzog. Wichtig sei, „dass individuell trainiert wird“.

Die Detailarbeit in der Position ist für den früheren ÖFB-Teamkapitän das Entscheidende. Zu viel Wert werde im Nachwuchs auf Ergebnisse gelegt. „Es geht nicht darum, was in zwei Wochen ist oder in vier Monaten, sondern wo ist der Spieler, wenn er 17, 18, 19 Jahre alt ist. Dann muss er in der Bundesliga spielen“, betonte Herzog. Aussagen wie „die sind ja noch nicht so weit, das geht nicht“.

„Paar gute Ansätze“ im ÖFB

Im ÖFB gebe es „ein paar gute Ansätze“, so Herzog. „Konstantin Breuer und Martin Stranzl machen schon teilweise richtig gute Sachen. Mir fehlt es in der Umsetzung bei den Vereinen. Es geht nur miteinander. Das Ziel muss sein, dass wir bessere Spieler rausbringen. Wer da was macht, ist im Endeffekt wurscht, sondern es gehört gearbeitet und anders gearbeitet“, erklärte der 103-fache ÖFB-Teamspieler.

Vereinzelt findet man Rohdiamanten, die bei den Clubs in die Stammelf drängen. Jacob Hödl (19) und Luca Weinhandl (17) kurbelten beim Erfolg von Sturm Graz in der Champions-League-Qualifikation gegen Heart of Midlothian (Gesamt: 6:0) im Mittelfeld. Bei der Austria fallen ihm die Mittelfeldspieler Vasilije Markovic (18) und Sanel Saljic (20) ein, bei Rapid Verteidiger Jakob Schöller (20). Gespannt ist Herzog auch auf Christian Zawieschitzky, der bei Red Bull Salzburg mit 19 Jahren zum Einsertorhüter aufgestiegen ist.