Neben den populärsten Disziplinen Springreiten und Dressur geht es im Aachner Stadteil Soers auch in Para-Dressur und Vielseitigkeit sowie in Gespannfahren und Voltigieren rund. Vor vier Jahren war das dänische Herning zwar Hauptaustragungsort, allerdings fanden die Bewerbe in Vielseitigkeit und Gespannfahren in Pratoni del Vivaro nahe der italienischen Hauptstadt Rom statt.
Die zehnte Ausgabe der erstmals 1990 in Stockholm durchgeführten Weltreiterspiele sprengt alle bisher gekannten Dimensionen. Rund 650 Athletinnen und Athleten aus 35 Ländern geben sich in Aachen, einst die Lieblingspfalz von Karl dem Großen, ein Stelldichein. Insgesamt 800 edle Rösser werden zu bewundern sein. Die Organisatoren der WM rechnen mit über 500.000 Besucherinnen und Besuchern der Events, die bis zum 23. August andauern.
Die große Anzahl an Entscheidungen hält Aachen, wo erstmals 1924 ein großes Reitturnier stattfand, fast zwei Wochen in Bann. Welche Bedeutung der Pferdesport in der Stadt nahe der belgischen Grenze hat, zeigt sich an den Events rund um die WM. Im Zentrum der Stadt besteht die Möglichkeit zum Public Viewing, sollte man keinen Platz im 40.000 Plätze fassenden Hauptstadion fürs Springreiten oder in der Dressurarena ergattern. Namhafte Künstlerinnen und Künstler treten dabei auf, dazu lädt eine Gastromeile zum Verweilen ein.
Viel royaler Aufputz
Wie bei Reitsportgroßevents üblich werden auch in Aachen nicht nur Warm- sondern vor allem auch „Blaublüter“ in großer Anzahl vertreten sein. Allen voran Zara Tindall, die Nichte des britischen Königs Charles III. Die 45-Jährige, 2006 ausgerechnet in Aachen Weltmeisterin in der Vielseitigkeit, wird gemeinsam mit der niederländischen Thronfolgerin Catharina-Amalia bei der Eröffnung und beim ersten Bewerb, dem Teamevent in der Dressur, mit dabei sein. Auch die spanische Infantin Elena, die Schwester des spanischen Königs Felipe VI., wird in Aachen erwartet.
Die Vorfreude bei den Aktiven ist jedenfalls groß – vor allem in der deutschen Reitfamilie, die 20 Jahre auf das nächste Heimspiel im „Mekka“ des Pferdesports warten musste. „Hoch-, hoch-, hocherfreut“, sei sie gewesen, meinte etwa die achtfache Olympiasiegerin und neunfache Weltmeisterin Isabell Werth: „Wir haben eine einzigartige Chance, den Sport weltweit zu präsentieren und zu zeigen, wofür wir stehen: die außergewöhnliche Verbindung mit unseren Pferden.“
Besonders die Bewerbe in der Para-Dressur werden diesmal wohl von so vielen Fans live im Stadion verfolgt werden wie noch nie. Denn „Inklusion“ bedeutet in diesem Fall auch, dass alle Para-Bewerbe automatisch in ein Ticket inkludiert sind und nicht erst extra gekauft werden müssen. „So können wir möglichst vielen Menschen einen Einblick geben und zeigen, was den Para-Sport ausmacht: sehr viel Harmonie, sehr viel Emotion und Menschen, die so viel Freude ausstrahlen, wenn sie auf dieser Bühne mit ihren Pferden performen dürfen“, sagte Regine Mispelkamp, Olympiasilberne 2024 in Paris.
Österreich mit Außenseiterchancen
In der Para-Dressur hat Österreich dank des mehrfachen Paralympics-Siegers Pepo Puch auch die größten Medaillenchancen. Katharina Rhomberg und Max Kühner gehen im Springreiten zumindest mit Außenseiterchancen ins Rennen. In der Vielseitigkeit ruhen die Hoffnungen einmal mehr auf Lea Siegl, in der Dressur könnte Bettina Kendlbacher, für viele Experten der „aufsteigende Stern“ am heimischen Reitsporthimmel, für eine Überraschung sorgen.