Nach tagelangem Tauziehen und der Absage von Wunschkandidaten wie Pep Guardiola und Andrea Pirlo kam am Dienstag das Comeback von Mancini auf die Bank des vierfachen Weltmeisters zustande. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt verglich der ehemalige Stürmer seinen Abschied nach Saudi-Arabien und dann nach Katar mit einem unüberlegten Schritt in eine neue Beziehung: „Es tut mir sehr leid. Das Trikot der Nationalmannschaft ist ein bisschen wie die Frau des Lebens: Wenn man es verliert, hat man etwas falsch gemacht.“

An der Seite von Verbandspräsident Giovanni Malago widmete Mancini seinem Wechsel nach Saudi-Arabien viel Zeit. „Es gab damals einen Mangel an Kommunikation zwischen mir und (dem damaligen Präsidenten Gabriele) Gravina. Hätten wir miteinander gesprochen, wäre alles anders gekommen. So ist es nun einmal gelaufen. Es tut mir sehr leid.“ Dazu versprach er: „Ich werde versuchen, die Nationalmannschaft so gut spielen zu lassen, dass mir die Fans verzeihen.“ Ein Vierjahresvertrag für 25 Millionen Euro pro Saison in Saudi-Arabien hatte Mancini „schwach“ gemacht.

In seiner Zeit als Teamchef von 2018 bis 2023 erlebte der italienische Fußball seine letzte Blüte und mit dem EM-Titel 2021 den bisher letzten Höhepunkt. Als Spieler stand Mancini in den 1980er und 1990er Jahren für Sampdoria Genua auf dem Platz. Viermal gewann er den italienischen Pokal, einmal die Meisterschaft. Später spielte er bei Lazio Rom und in England bei Leicester City. Als Vereinscoach holte er Meisterschaften mit Inter Mailand und Manchester City. Die nächsten Spiele für Italien sind Ende September in der Nations League gegen Belgien sowie die Türkei und dann gegen Frankreich.

Squadra Azzurra im historischen Tief

Italiens Fußball steckt seit Langem in der Krise. Der viermalige Weltmeister hatte im Frühjahr zum dritten Mal in Folge die Qualifikation zu einer WM verpasst. Einziger Titel der jüngeren Vergangenheit war die EM 2021 – damals mit Mancini als Trainer. Zwei Jahre später verabschiedete er sich jedoch für viel Geld urplötzlich nach Saudi-Arabien, was ihm enorm viel Kritik einbrachte. Jetzt soll er die „Squadra Azzurra“ zurück zu alter Größe führen.

Der Posten des Commissario Tecnico (wie der Teamchef offiziell heißt) war seit Anfang April vakant. Damals musste Gennaro Gattuso zurücktreten, weil Italien in einem Entscheidungsspiel zur WM-Qualifikation an Bosnien-Herzegowina scheiterte. Die Suche nach einem Nachfolger entwickelte sich zum Chaos, bis nun Mancinis Rückkehr fixiert wurde. Als neuen Technischen Direktor hat er eine andere italienische Trainergröße zur Seite: Claudio Ranieri, zuletzt unter Vertrag bei der AS Roma.