Tebas forderte in sozialen Netzwerken: „Der Weltfußball braucht eine neue Führung, die die Verbandsstrukturen modernisiert, die institutionelle Glaubwürdigkeit wiederherstellt und künftige Entscheidungen gemeinsam mit den betroffenen Akteuren entwickelt.“
Infantino wollte Anteile an den kommerziellen Rechten der FIFA-Wettbewerbe wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM an private Investoren verkaufen. Nach starker Kritik und einem Schulterschluss der Kontinentalverbände machte der Schweizer einen Rückzieher.
Damit ist das Problem laut Tebas aber nicht gelöst. „Das Problem war nie nur dieser eine Vorschlag. Das Problem ist ein Modell der Verbandsführung, das Macht konzentriert, Kontrollmechanismen schwächt und diejenigen an den Rand drängt, die von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind“, so Tebas. „Der Rückzug eines Vorschlags macht das Geschehene nicht ungeschehen. Er ist lediglich die Spitze des Eisbergs.“
„Kein Vertrauen mehr“
Schon am Samstag hatten der Dänische Fußballverband (DBU) und der niederländische Fußballverband KNVB dem FIFA-Präsidenten das Misstrauen ausgesprochen. „Die Art und Weise, wie dieser Prozess verlaufen ist, hat zu einem grundlegenden Vertrauensbruch im Führungsstil des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino geführt. Der KNVB hat kein Vertrauen mehr in seine Führung“, hieß es in einer Mitteilung des niederländischen Verbands.
DBU-Chef Jesper Möller schlug in dieselbe Kerbe. Das Vertrauen in Infantino sei verloren gegangen, hieß es in einer Mitteilung, „deshalb kann ich ihn auch nicht mehr unterstützen“.
Auch die 41 Mitglieder der CONCACAF, des Verbands für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, sehen das Thema damit alles andere als abgeschlossen an. „Diese jüngste einseitige und ungeheuerliche Handlung, die von schlechter Führung und Führungsschwäche zeugt, reiht sich ein in eine Reihe von Fehltritten und ähnlichem Verhalten. Eine umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft ist unerlässlich“, hieß es.
„Gegenteil von Transparenz“
Der Europäische Fußballverband (UEFA) forderte weitreichende Konsequenzen. „Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie“, so UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. „So können wir nicht weitermachen. Mit geheimen Machenschaften, deren Nutzen für den Sport fragwürdig ist.“
Die UEFA kündigte an, unmittelbar mit Partnern weltweit in den Dialog zu treten, um neue Wege zu finden. Infantinos gescheiterte Pläne kritisierte die UEFA heftig. „Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er eingefädelt und anschließend durchzusetzen versucht hat, war das genaue Gegenteil von Transparenz.“
Misstrauensvotum?
Auch FIFA-intern wächst der Widerstand. Die „Times“ schrieb, dass sich Infantino einer außerordentlichen Sitzung des FIFA-Rats stellen könnte, auf der er zum Rücktritt aufgefordert werden solle. Als weitere Möglichkeit wurde genannt, dass mindestens 43 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände einen außerordentlichen Kongress einberufen und dort ein Misstrauensvotum stellen.