„Wir freuen uns auf die Atmosphäre und die Stimmung. Wir waren schon bei der EM, aber die WM ist halt schon ein bisschen größer. Wir wollen dort mit dem Gefühl von der Fläche gehen: Wir haben es geschafft und wir haben unser Bestes gegeben. Das ist, glaube ich, eines von den wichtigsten Sachen, die wir dort erreichen wollen“, sagte Alina Razinkova im ORF-Interview.

Sportlich geht das Team als Außenseiter an den Start. Hinzu kommt, dass sich die neu formierte Gruppe international erst einen Namen machen muss. „Es ist schon sehr schwer, weil die Kampfrichter einen nicht kennen und daher auch nicht wissen, worauf sie sich einstellen können. Aber ich habe gehört, dass es schön ist, dass Österreich mal wieder eine Gruppe hat“, erklärte Anna-Marie Scheidl.

Rhythmische Gymnastik vor WM-Comeback

Österreichs Rhythmische-Gymnastik-Gruppe wird Mitte August bei der Weltmeisterschaft in Frankfurt teilnehmen. Ganze acht Jahre lang war keine heimische Mannschaft mehr bei einer WM vertreten.

Gruppe im Oktober neu formiert

Die Gruppe besteht aus drei Oberösterreicherinnen (Razinkova, Viola Preiml und Magdalena Pamminger) sowie drei Niederösterreicherinnen (Scheidl, Maria Filatova und Ksenia Dvornyak). Da alle sechs Sportlerinnen noch in die Schule gehen, können sie nur am Wochenende und in den Ferien gemeinsam trainieren.

Seit Oktober arbeitet die Mannschaft akribisch an ihren beiden Wettkampfküren. Jeweils zweieinhalb Minuten dauern die Übungen mit Reifen und Keulen beziehungsweise mit Bällen. Unzählige Wiederholungen bei derselben Musik, höchste Präzision und perfekte Synchronität prägen den intensiven Trainingsalltag.

Rückschlag kurz vor Saisonhöhepunkt

Kurz vor dem Saisonhöhepunkt musste das ohnehin schon neu zusammengesetzte Team einen herben Rückschlag verkraften. Kapitänin Julie Neumann verletzte sich, Dvornyak rückte erst fünf Wochen vor der Weltmeisterschaft nach. Die Eingewöhnung gelang ihr jedoch erstaunlich schnell, ihre Teamkolleginnen zeigten sich begeistert.

Und auch die 16-Jährige selbst ist froh, dass ihr die Eingliederung ins Team so gut geglückt ist. „Ich freue mich auf jeden Fall sehr, ein Teil der Gruppe zu sein. Ich fühle mich mittlerweile auch schon sehr wohl und freue mich auf die kommende Weltmeisterschaft“, sagte die Nachrückerin.

Zusammenhalt als Stärke

Der Zusammenhalt innerhalb des Teams sei die Stärke der Mannschaft. Für Razinkova ist genau das der größte Unterschied zum Einzel. „Man weiß, man ist nicht alleine. Man ist mit Menschen auf der Fläche, die genau dasselbe fühlen wie man selbst. Ich fühle mich dadurch deutlich sicherer“, sagte die 18-jährige Linzerin.

Auch Preiml hob die Gemeinschaft hervor, betonte aber auch, dass darin auch die Herausforderung liegt. „Im Einzel konzentriert man sich nur auf sich selbst. In der Gruppe muss man ständig wissen, wo die anderen sind, alles muss synchron sein. Das ist eine große Herausforderung. Aber gleichzeitig ist es ein wunderschönes Gefühl, weil man sich zu hundert Prozent aufeinander verlassen kann“, so die 17-jährige Preiml.

Große Resultate stehen bei der Weltmeisterschaft noch nicht im Vordergrund. Vielmehr möchten die Österreicherinnen die Atmosphäre genießen, wertvolle Erfahrung sammeln und der Welt zeigen, dass es Österreich in der Rhythmischen Sportgymnastik noch gibt. Trainerin Luchia Egermann, die bereits zwei heimische Einzelgymnastinnen zu Olympischen Spielen gebracht hat, formulierte zwei klare Ziele. „Meine Erwartungen sind, der ganzen Welt zu zeigen: We are still alive. Das ist das Erste. Und das Zweite ist, dass die Gruppe danach zufrieden ist.“

Beginn eines langfristigen Aufbaus

Für das Trainerteam ist die Rückkehr auf die internationale Bühne ohnehin erst der Beginn eines langfristigen Projekts. Der Aufbau der Gruppe soll Schritt für Schritt erfolgen, mit jeder Saison soll die Mannschaft enger zusammenwachsen und international konkurrenzfähiger werden.

Der Traum von Olympischen Spielen ist zwar vorhanden, spielt derzeit aber noch eine untergeordnete Rolle. „Wir sehen es eher so, dass dieses Jahr quasi der Startschuss ist für unsere Gruppe“, sagte Florentina Marchart, die zuständig für die Sportkoordination ist. „Wir wollen das Team kontinuierlich aufbauen können, dass sich das Team entwickelt und Erfahrungen sammelt und dass wir dann eben in ein paar Jahren konkurrenzfähig sind.“

Die WM in Frankfurt markiert damit weit mehr als nur einen Wettkampf. Sie ist das Comeback Österreichs in der Gruppenkonkurrenz der Rhythmischen Gymnastik – und der Auftakt für eine neue Generation, die den Anschluss an die Weltspitze langfristig wieder schaffen will.