Die Entschuldigung Infantinos wurde positiv aufgenommen, nachdem die FIFA-Führung am Mittwoch im marokkanischen Rabat eine Krisensitzung abgehalten und Fehler im Zusammenhang mit den Investorenplänen eingestanden hatte. Die CAF ist mit 54 Mitgliedsländern der zweitgrößte Kontinentalverband innerhalb der FIFA nach dem Europäischen Fußballverband (UEFA/55).
Dass der FIFA-Krisengipfel in Marokko in Szene ging, könnte kein Zufall gewesen sein. Erst recht nach dem jüngsten Bericht der britischen Zeitung „Times“. Laut diesem versprach der angeschlagene FIFA-Präsident Marokko angeblich sogar die Austragung des WM-Finales 2030, damit das Land seine Wiederwahl im März 2027 unterstützt.
FIFA dementiert vehement
Die FIFA dementierte das vehement. Ein Sprecher der Organisation stellte klar: „Es ist falsch und irreführend zu behaupten, der FIFA-Präsident habe irgendwelche Zusagen bezüglich der Ausrichtung des WM-Finales 2030 gemacht. Die FIFA wird zu gegebener Zeit eine Entscheidung treffen.“
Asiens Fußballkonföderation (AFC) mit ihren 46 Mitgliedsverbänden stellte sich nach dem Krisengipfel wiederum nicht klar gegen Infantino. Sie erklärte jedoch, das Projekt habe „grundlegende Schwächen in den Konsultations- und Entscheidungsprozessen der FIFA“ offengelegt und forderte eine rasche Überprüfung der Governance-Strukturen. Gleichzeitig erhielt Infantino Unterstützung von mehreren asiatischen Verbänden.
Südamerika zurückhaltend
Die südamerikanische Konföderation CONMEBOL mit ihren zehn Mitgliedsverbänden, darunter Argentinien und Brasilien, hatte sich zunächst zurückhaltend gezeigt. Gleichzeitig sprachen sich die Südamerikaner für die Wahrung der Institutionen aus und lehnten jede Initiative zur Absetzung Infantinos ab.
Ozeaniens Fußballkonföderation (OFC) hatte ihre elf Mitgliedsverbände nach der Vorstellung des Projekts lediglich aufgefordert, dieses zu prüfen und sich am Konsultationsprozess der FIFA zu beteiligen. Seit der Aufgabe des Projekts äußerte sie sich nicht mehr.
Widerstand aus Europa
Obwohl das umstrittene Projekt inzwischen offiziell aufgegeben wurde, bleibt die UEFA mit ihren 55 Mitgliedsverbänden hart. Das Vertrauen in die Präsidentschaft von Infantino ist verloren. Mehrere europäische Verbände, darunter Finnland, Serbien, Schweden, Wales und Dänemark, kündigten bereits öffentlich an, Infantino bei der Wahl 2027 nicht zu unterstützen. Die Haltung der großen Fußballnationen steht jedoch noch aus.
Auch die CONCACAF mit ihren 35 Mitgliedsverbänden aus Nordamerika, Mittelamerika und der Karibik schloss sich der Kritik der UEFA am Privatisierungsprojekt an. Die FIFA habe „außerhalb jedes Rahmens und ohne Transparenz, Konsultation oder ordnungsgemäßes Verfahren“ gehandelt. CONCACAF-Präsident Victor Montagliani, ein Kanadier, gilt laut mehreren internationalen Medien als möglicher Gegenkandidat Infantinos.
Ein möglicher Riss deutete sich aber durch Mexiko an. Der Kogastgeber der WM 2026 „unterstützt Präsident Infantinos Führung bei seinen fortgesetzten Bemühungen, die Entwicklung des Fußballs durch die Stärkung der Institutionen voranzutreiben“, wie es in einer Mitteilung des Mexikanischen Fußballverbandes an die internationale Presse hieß.