Eine prominente Abwesende aus dem heimischen Verband wird Victoria Hudson sein. Das Speerwerf-Aushängeschild wird wegen ihrer Babypause den vor zwei Jahren in Rom errungenen Titel nicht verteidigen. Dafür sind mit Vizeeuropameister Lukas Weißhaidinger, Dreispringer Endiorass Kingley, Hürdensprinter Enzo Diessl und 1.500-m-Läufer Raphael Pallitsch andere Routiniers dabei, die sich Hoffnungen auf das Finale machen.
„Bei der EM ist viel möglich, es ist auch eine Topplatzierung möglich. Das ist mein größter Wunsch“, sagte Kingley im ORF-Interview. Auch Pallitsch formulierte die Finalteilnahme als klares Ziel. „Es ist ein taktisches Rennen, es gibt keinen Pacemaker, das macht es für mich definitiv ‚leichter‘, es erhöht die Chancen. Das ist mein Zugang, ich muss ganz klar sagen, das Finale ist mein Ziel“, meinte der 36-Jährige.
Rekordaufgebot bei Leichtathletik-EM
Mit einem Rekordaufgebot von 24 Aktiven reist Österreichs Leichtathletik-Team zur Europameisterschaft nach Birmingham. Trotz des Fehlens von Speerwurf-Titelverteidigerin Victoria Hudson bestehen gute Chancen auf Spitzenplätze. Die EM beginnt am Montag.
„Sind breiter aufgestellt“
„Wir haben sehr viel Dynamik, unser Team zeichnet sich aus durch Routiniers auf der einen und Rookies auf der anderen Seite. Wir sind breiter aufgestellt als vor einigen Jahren und sind gut besetzt“, meinte ÖLV-Generalsekretär Helmut Baudis auf einer Pressekonferenz am Freitag in der Südstadt.
50 Entscheidungen stehen im Alexander Stadium in Birmingham an, in welchem 20.000 Fans platz haben. Dabei werden 1.645 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen in der Arena und den Straßen von Birmingham (Gehen, Marathon) nach Medaillen streben.
ÖLV-Team hofft auf Überraschungen
„Es ist eine große Freude für alle, dass Großbritannien Ausrichtungsort ist. Wir kennen die Sportbegeisterung, die Stimmung soll auch unsere Athletinnen und Athleten beflügeln“, meinte Baudis. „Ziel muss es sein, dass alle möglichst an ihre Bestleistung herankommen. Vielleicht den einen oder anderen österreichischen Rekord verbessern. Drei Platzierungen in den Top Acht sind möglich, und dann ist eh alles möglich“, sagte er. Denn bei einer erfolgreicher Finalqualifikation könne immer eine Überraschung passieren.
Die meisten Athletinnen und Athleten sind in den Lauf- oder Geher-Disziplinen im Einsatz, mit den Diskuswerfern Weißhaidinger und Will Dibo, Dreispringer Kingley und Siebenkämpferin Verena Mayr sind es vier Aktive in Sprung- und Wurfdisziplinen. Starke Konkurrenz im eigenen Team wie über 400 m Hürden oder im Sprint beflügle enorm, so Baudis.
Neun ÖLV-Asse brennen auf Debüt
Insgesamt blicken neun Debütantinnen und Debütanten der Freiluft-EM entgegen, zum achten Mal bei Kontinentaltitelkämpfen ist Andreas Vojta. „Ich weiß, wie eine Vorbereitung abläuft, aber ich bin erstmals im Marathon dabei. Ich freue mich mit höheren Altern und bei der achten Teilnahme auf eine neue Herausforderung“, sagte der mit 37 Jahren Älteste im Team. Der Marathon verspricht mit seinem welligen Profil und insgesamt 700 Höhenmetern nicht nur spezifisch, sondern auch sehr herausfordernd zu werden.
Den ersten Europameisterschaften in der allgemeinen Klasse blickt hingegen Anja Dlauhy entgegen. Sie drückte ihre Bestleistung heuer um drei Sekunden auf den österreichischen Rekord von 54,52 Sekunden. „Das ist unglaublich. Mit der EM-Teilnahme ist das größte Ziel erreicht. Ich will eine Zeit unter 55 laufen, dann sollte das Semifinale möglich sein. Ich will das Rennen genießen, eine Bestleistung abrufen, und dann kommt das Ergebnis von allein“, sagte die 23-Jährige.
Mit Lena Pressler hat Österreich eine zweite starke Hürdenläuferin im Einsatz. „Natürlich ist das große Ziel, dann im Semifinale zu laufen. Mein Ziel ist natürlich nochmal so eine starke Zeit zu laufen, weil die anderen kann man eh nicht beeinflussen“, meinte Pressler im ORF-Interview.