Beim siebenten europäischen Endspiel in Österreich, dem ersten in Salzburg, sahen die Fans ein stimmungsvolles und friedliches Fest sowie einen munteren Start in die internationale Clubsaison. Der Supercup, das Spiel zwischen CL- und EL-Sieger, wird seit 1973 mit Unterbrechungen ausgespielt, das 51. Duell erstmals in Österreich.

Herausforderer Aston Villa verkaufte sich in Hälfte eins teuer: Nach dem wuchtigen Führungstreffer von Kwarazchelia (20.) verwertete Teenager Madjo seine fünfte Chance zum Ausgleich für die Mannschaft aus Birmingham (45.). Nach der Pause kam Weltfußballer Ousmane Dembele ins Spiel, der den Siegestreffer von Doue auflegte (61.).

Zunächst war auf Abseits entschieden worden, doch der bei der WM geschasste somalische Schiedsrichter Omar Artan nahm diese Fehlentscheidung zu Recht zurück, denn Matty Cash hatte mit einem gespreizten Bein die Abseitsstellung knapp aufgehoben. Der Ausgleich für die bemühten „Villans“ wollte danach nicht mehr klappen.

Erstes Finale im ausgebuchten Salzburg

Zum siebenten Mal fand ein UEFA-Finale in Österreich statt, sechsmal war das Prateroval in Wien Schauplatz, nun durfte sich zumindest für wenige Stunden erstmals Salzburg Europas Fußballhauptstadt nennen.

Die Landeshauptstadt nahm die Herausforderung im Festspielsommer an, die Salzburger Hotels waren ausgebucht. Untertags teilten sich die Fußballfans die Altstadt mit den Festspielbesuchern und sonstigen Touristen. Villa-Edelfan Prinz William war übrigens nicht darunter.

Schließlich ist der Supercup, der im Jahr 1973 nach einer Idee eines niederländischen Journalisten ins Leben gerufen worden war, nicht mehr als ein Prestigespiel zum Auftakt der neuen Saison. Die rund 30.000 Tickets waren dennoch schnell weg, Salzburg durfte sich als wirtschaftlicher Sieger dieses Prestigespiels fühlen, das seit 13 Jahren in kleineren Städten, Stadien und Märkten ausgetragen wird.

Schiedsrichterbesetzung als UEFA-Spitze

Nach der Fußballweltmeisterschaft in Nordamerika rückte also wieder der internationale Clubfußball in den Mittelpunkt. WM-Stars wie Frankreichs Weltfußballer Dembele nahmen aber zunächst auf der PSG-Bank Platz, Argentiniens Emiliano Martinez stand gar nicht im Kader, der Goalie weilt nach dem verlorenen Finale noch im Urlaub.

Einer, der unfreiwillig bei der WM in den Mittelpunkt gerückt war, schrieb beim Supercup Geschichte: Mit Omar Artan fungierte erstmals ein Nichteuropäer als Spielleiter. Dem Referee aus Somalia wurde die Einreise in die USA verweigert. Wenig später hatte ihn die UEFA als Supercup-Schiedsrichter nominiert, das durfte als nichts anders als eine weitere Spitze gegenüber der FIFA verstanden werden.

Apropos: Rund um das Spiel in Salzburg trafen sich UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und PSG-Chef Nasser al-Chelaifi, um das weitere Vorgehen im Machtkampf mit FIFA-Präsident Gianni Infantino zu besprechen. Dem Vernehmen nach gibt es für den europäischen Verband kein Zurück mehr, wenn es darum geht, Infantino zu stürzen.

„Kwaradona“ bringt Paris in Führung

Und Aston Villa wollte den Titelverteidiger zu Fall bringen, war in der Anfangsphase auch das bessere Team. Boubacar Kamara gab den ersten Warnschuss ab, der knapp links am Tor vorbeiging (13.).

Die Franzosen legten einen Zahn zu und trafen mit der ersten Chance: Erst scheiterte Doue an Marc Bizot, im zweiten Anlauf traf Kwarazchelia wuchtig, aber auch haltbar unter die Latte (20.).

Teenager Madjo verwertet fünfte Chance

In den folgenden Minuten hatte PSG noch Aufwind, aber Aston Villa kämpfte sich in die Partie zurück, allen voran Teenager Madjo. Der 17-Jährige mit der stattlichen Statur vergab gleich vier gute Chancen (28., 34., 41. und 44.), bei denen er jeweils vorbei bzw. an die Außenstange zielte. Der schwierigste Versuch saß: Nach einer Flanke des sehr umtriebigen John McGinn verwertete Madjo zum verdienten 1:1 (45.).

Der jüngste Startelf-Spieler aller Zeiten im Supercup avancierte damit auch zum jüngsten Torschützen in diesem Bewerb. PSG-Startrainer Luis Enrique reagierte und brachte zur Pause Dembele in die Partie. Der war nach seinem WM-Urlaub erst seit Montag wieder im Training und sah zunächst wieder bessere „Villans“ in Salzburg.

Doue entscheidet Partie für PSG

McGinn scheiterte aber an PSG-Goalie Safonow (50.), ehe Emiliano Buendia das Leder über das Tor jagte (60.). Das sollte sich rächen, denn nur eine Minute später ging PSG wieder in Führung: Nach Zuspiel von Dembele lief Doue mutterseelenallein auf Bizot zu und verwertete ins linke Eck. Die Fahne war oben, doch Matty Cash hatte das Abseits knapp, aber doch mit einem gespreizten Bein aufgehoben (61.).

Aston Villa probierte alles, hatte gleich durch den 19-jährigen George Hemmings die Chance auf den neuerlichen Ausgleich, scheiterte aber an Safonow (63.). Warren Zaire-Emery legte sich in einen Schuss hinein (73.), und Buendia vergab noch die letzte Chance zur Freude der PSG-Fans, die Pyrotechnik zündeten. Davor war nur dem AC Milan (1989/90) und Real Madrid (2016/17) die Titelverteidigung im Supercup geglückt.

Stimmen zum Spiel:

Luis Enrique (PSG-Trainer): „Wir wussten vor dem Spiel schon, dass es schwer werden würde aufgrund der ganzen Bedingungen, aber meine Spieler haben gezeigt, aus welchem Holz sie geschnitzt sind, obwohl sie physisch nicht in bester Verfassung sind. Das war eine richtige Demonstration dessen, was unsere DNA ist. Wir können sehr glücklich sein, ich war sehr froh zu sehen, wie es die Mannschaft gemacht hat.“

Unai Emery (Aston-Villa-Trainer): „Ich bin so glücklich, weil uns einige wichtige Spieler gefehlt haben und wir noch viel Arbeit vor uns haben, aber trotzdem gezeigt haben, dass wir ganz nahe an einem großartigen Team dran sind. Die Spieler hatten nach der Partie das Gefühl, dass sie voll mithalten konnten, das ist das Wichtigste für mich. Ich wollte diese Trophäe, aber wie wir gespielt haben, die Chancen, die wir uns herausgearbeitet haben, und die individuelle Qualität, die wir gezeigt haben, ich bin sehr stolz auf die Spieler.“

Desire Doue (PSG-Torschütze/"Man of the Match"): "Wieder die Trophäe zu gewinnen, ist unglaublich. Das ist richtig schwierig, da man dafür zuvor die Champions League gewinnen muss, und das haben wir zum zweiten Mal in Folge geschafft. Auch im Supercup haben wir triumphiert. Wir sind immer hungrig, wollen mehr. Wir wollen dieses Jahr alle Bewerbe gewinnen. Wir können uns noch immer steigern.“

UEFA Supercup in Salzburg

Mittwoch:

Paris Saint-Germain – Aston Villa 2:1 (1:1)

Wals-Siezenheim, 27.681 (ausverkauft); SR Artan (Somalia)

Torfolge:

1:0 Kwarazchelia (20.)

1:1 Madjo (45.)

2:1 Doue (61.)

PSG: Safonow – Hakimi, Marquinhos, Pacho, Mendes (74./Hernandez) – Neves (74./Ruiz), Vitinha, Zaire-Emery – Akliouche (46./Dembele), Doue (87./Mayulu), Kwarazchelia (88./Beraldo)

Aston Villa: Bizot – Cash, Lindelöf, Torres (80./Mings), Maatsen – McGinn (72./Alysson), Gomes (80./Barkley), Kamara (72./Bogarde), Hemmings – Buendia, Madjo (72./Abraham)

Gelbe Karten: keine bzw. Torres, McGinn, Gomes