Diessl, dessen persönliche Bestzeit 13,17 lautet, war im Halbfinale wenige Stunden vor dem Endlauf mit 13,35 ebenfalls Fünftschnellster gewesen. Gold ging an den Schweizer Jason Joseph (13,12) vor dem Franzosen Just Kwaou-Mathey (13,16) und dem Polen Jakub Szymanski (13,26).

Diessl sprach von einem „soliden fünften Platz“, aber er sei unzufrieden mit dem, was er im Finale abgerufen habe. „Da ist viel mehr Potenzial drinnen, es war nicht rund, es war ein bissl verkrampft. Die Ausführung muss noch besser sein, aber ich bin auf einem sehr guten Niveau. Das darf sich zeigen lassen. Das motiviert mich wieder für in zwei Jahren“, erklärte der 22-Jährige. Die Frustration überwiege noch etwas, aber der Stolz komme schön langsam.

Erster Finaleinzug in der Allgemeinen Klasse

Diessl ist U20-Europameister von 2023 und U23-Europameister von 2025 und holte nun erstmals bei einer internationalen Meisterschaft in der Allgemeinen Klasse ein starkes Ergebnis. Bei der EM 2024 in Rom war Diessl ins Halbfinale gekommen, bei den Olympischen Spielen im selben Jahr in Paris war für den Jüngsten des Feldes und in seinem ersten Jahr über die Erwachsenenhürden im Hoffnungslauf Endstation gewesen. Bei der WM 2025 in Tokio war er nach einem verpatzten Halbfinale ausgeschieden.

Dreispringer Kingley löst Finalticket

Kingley schaffte recht sicher die Qualifikation für das Dreisprung-Finale. Der 24-jährige WM-Neunte sprang im Vorkampf mit 16,25 m die neuntbeste Weite und ist damit in der Medaillenentscheidung der Top Zwölf am Samstag (21.17 Uhr, live in ORF Sport +) dabei. Höchstweite in der Quali fixierte der Portugiese Pedro Pichardo (17,16 m).

Nach dem ungültigen ersten Versuch sei er etwas nervös geworden, meinte Kingley, der mit 16,85 m den ÖLV-Rekord hält und dessen großes Ziel es ist, die 17-m-Marke zu überspringen. Im Finale will er sich „steigern und eine Topplatzierung erreichen“. Der Plan sei jetzt Erholung und eine Analyse, wie man sich verbessern kann.

Gogl-Walli läuft ins Halbfinale

Susanne Gogl-Walli zog am Vormittag als Elfte in den Vorläufen der Nichtvorqualifizierten über 400 m in 52,12 Sekunden ins Halbfinale ein. „Ich habe definitiv das Maximum rausgeholt. Es war für mich ein runder Lauf, es war die schnellste Zeit seit Februar. Es ist eine coole Sache, dass ich im Semifinale bin“, sagte die EM-Siebente von 2024.

Natürlich wäre Gogl-Walli gern in Bestleistungsform zum Großereignis gefahren. „Das war aufgrund der Verletzungen in den letzten Monaten nicht möglich. Wir haben nicht so trainieren können, wie wir wollten. Die Wade ist gut ausgeheilt, das Problem zuletzt war der Hamstring“, sprach die 30-Jährige die Oberschenkelmuskulatur an.

Aber sie wolle sich nicht auf das Negative konzentrieren, sie sei schmerzfrei gelaufen und mit dem Gefühl, das Beste gegeben zu haben. Als ältere Athletin habe sie die Fähigkeit, zwei Läufe hintereinander zu schaffen, auch wenn die Vorqualifizierten einen Vorteil für das Semifinale am Donnerstag haben. „Ich freue mich, wenn ich unter 52 Sekunden komme, das nehme ich mir vor.“ Ihre persönliche Bestleistung steht bei 50,60.

Strohmayer-Dangl kratzt am eigenen Rekord

Für Niklas Strohmayer-Dangl war im Halbfinale Endstation, er beendete die 400 m Hürden in 49,20 Sekunden auf dem 14. Gesamtrang. Der 24-Jährige verpasste einen österreichischen Rekord nur um zwei Hundertstelsekunden. Für Strohmayer-Dangl verläuft die Saison weiterhin top, er hatte erst vor wenigen Wochen den fast 41 Jahre alten Rekord von Thomas Futterknecht (49,33) ausgelöscht.

„Ich war 16. der Entry-List, mit dem 14. Gesamtrang rauszugehen, da habe ich alles erfüllt, was in meiner Macht war. Das Niveau ist irrsinnig hoch. Ein Finale wäre einfach außer Reichweite gewesen“, sagte der Burgenländer nach dem Rennen in der Mixed-Zone.

Die Zeit, zur Mittagszeit erbracht und nach dem Vorlauf am Vortag nicht mehr ganz frisch und noch dazu am Tag X im EM-Halbfinale, sei quasi gleichwertig mit dem Rekord, merkte er an. „Ich habe mir vorgenommen, mutiger anzulaufen, und das ist mir gelungen. Die ersten sieben Hürden waren heute eine halbe Sekunde schneller als gestern, hinten habe ich ein bisschen was verloren.“ Die Hochform will er ausnützen und heuer noch einen Rekord laufen, entweder in Berlin, Göteborg oder Lausanne. Er hat aber noch keine Startzusage.