Am Matchtag selbst hatte der englische „Guardian“ berichtet, dass Ceferin in Salzburg ranghohe Funktionäre zu einem Krisengipfel treffen würde, so etwa auch PSG-Chef Nasser al-Chelaifi. Die UEFA solle mit ihren Verbündeten aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika bereits an einem „Grundsatzpapier“ für einen neuen Weltverband arbeiten.
Offizielle Informationen gab und gibt es vorerst keine, Stellung nahm dazu auch niemand öffentlich, dementiert wurde es allerdings ebenfalls nicht. Ceferin ging in einem kurzen Interview vor Spielbeginn nicht näher auf die Agenda ein. „Wir sind hier um, den Fußball zu schützen“, sagte der Slowene gegenüber Sky kurz und knapp.
So verhielt es sich auch bei PSG-Boss Chelaifi, der nach der nunmehr doppelten Titelverteidigung zwar das Bad in der Medienmenge gerne nahm, aber auf seine Chancen, FIFA-Präsident zu werden, umringt von seinen Bodyguards auch nur knapp betonte: „Ich bin der Präsident von Paris Saint-Germain und glücklich, es auch weiterhin zu sein.“
Die Frage nach dem Wie
Im März steht die Wahl des FIFA-Chefs auf dem Programm, und mit seinem am Ende abgesagten WM-Rechteverkauf hat sich Infantino nicht nur knapp ins Abseits gestellt. Erst am Anfang der Woche hatten die Dachverbände von Europa (UEFA), Asien (AFC) und Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) ihre Kritik an Infantino verstärkt und warfen ihm im Zusammenhang mit dem Investorendeal „Täuschung“ vor. „Konkurrenzturniere“ sollen dazu im Raum stehen.
Für Ceferin und Co. ist ein Neuanfang an der Spitze des Weltverbandes unumgänglich, die Frage ist das Wie. Das wurde in Salzburg in persona besprochen. Womöglich reicht es nicht mehr nur aus, Infantino von der Spitze des Weltverbandes zu verdrängen, wenn – wie auch schon zuletzt berichtet – eine Gruppe unter UEFA-Leitung nun sogar neue und in Konkurrenz zur FIFA stehende Turniermöglichkeiten prüfe.
Ob diese Drohungen wirklich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten, die nächsten Wochen werden es zeigen. In Polen findet im September die U20-WM der Frauen statt. Dass ausgerechnet ein in Europa stattfindendes FIFA-Event boykottiert wird, ist für viele nämlich kaum vorstellbar. Noch davor könnten Ceferin und Co. bei der Auslosung der Champions League in Monaco aber ihre Strategie schärfen, wenn alle ranghohen Funktionäre Europas sich traditionell zum Kick-off treffen.
UEFA betreibt in Salzburg Werbung in eigener Sache
Die UEFA hat die besten Mannschaften in ihren Reihen, die anderen leben vor allem von der Weltmeisterschaft, die in Nordamerika in sechs Wochen nicht weniger als 15 Milliarden Dollar umgesetzt haben soll. Es ist der größte, aber auch einzige Fußballbewerb, den die FIFA wirklich herzeigen kann, während die UEFA auch noch Champions League und Co. hat. Europas Verband fühlt sich hier am längeren Hebel verortet.
Auch wegen solcher Abende wie in Salzburg. Der Supercup gehört im Weltfußball zwar nicht zu den wichtigsten Bewerben, aber brachte dennoch geschätzte 50.000 Fans in zwei Tagen in die Salzburger Altstadt. „Es war ein tolles Event, es hat alles zusammengepasst, egal ob in der Stadt oder im Stadion“, sagte „Bullen“-Geschäftsführer Stephan Reiter nach dem siebenten UEFA-Finalspiel in Österreich, dem ersten Supercup sowie dem ersten überhaupt auch in Salzburg. Und vielleicht bleibt er nicht nur aus sportlichen Gründen in Erinnerung.