Der Terroranschlag in Berlin, bei dem am Samstag eine Frau getötet und 29 Menschen verletzt wurden, sorgt für Entsetzen – mehr dazu in Berliner Pride-Anschlag: Verdächtiger tot, Fragen offen (news.ORF.at). Schon am Sonntag fand auf dem Grazer Hauptplatz eine Mahnwache statt – mehr dazu in Mahnwache in Graz nach Anschlag in Berlin.

„Wir lassen uns nicht einschüchtern“

Angehörige der LGBTQIA+-Community gelten als potenzielle Ziele, wie der Verfassungsschutzbericht vom Mai verdeutlicht. Joe Niedermayer von der Interessensvertretung RosaLila PantherInnen äußerte sich aber entschlossen: „Die meisten Menschen sagen ‚Jetzt erst recht, wir sind stark, wir lassen uns nicht einschüchtern‘. Denn wenn wir uns einschüchtern lassen, haben diese Menschen, die von Hass geprägte Aktionen machen, dann haben sie gewonnen. Und nein, wir werden keinen Schritt zurückgehen.“

Herausforderungen in der Entradikalisierung

Jeremy Stöhs von einer Grazer Fachstelle zur Verhindernung von Radikalisierung und Extremismus erklärt die Komplexität: „Das heißt, man kann nicht mehr alle so zuordnen – rechts, links, islamistisch oder anderswo –, sondern es sind viele unterschiedliche Faktoren, die da mit rein spielen. Ideologie ist nur eine davon, und das sehen wir in unserer Arbeit auch, dass es nicht immer ganz klar ist, welche Ideologie dahinter steht.“ Ideologien unterscheiden sich und sind für die Arbeit essentiell. Die laufend komplexer werdende Lage erschwert die Zuordnung zu politischen Richtungen.

Aktuelle Gefährdungslage in Österreich

Seit Herbst 2023 ist die Terrorwarnstufe in Österreich als „hoch“ eingestuft. Das Innenministerium berichtet von einer im niedrigen dreistelligen Bereich liegenden Zahl an Gefährderinnen und Gefährdern im islamistischen Extremismus.

Besonders im Internet radikalisierte, junge Männer werden als gefährlich eingestuft. In Ballungsräumen ist die Anzahl der Gefährder höher. Konkrete Hinweise auf Gefährdungen liegen derzeit aber nicht vor.