Vor 107 Jahren – also im Jahr 1919 – wurde die Raiffeisenkasse Kobenz im Bezirk Murtal gegründet – jetzt wird die Zweigstelle geschlossen. Damit setzt sich ein Trend fort, der in immer mehr Gemeinden auch daran sichtbar wird, dass es anstatt von Bankfilialen Selbstbedienungsstellen gibt.
Herausforderungen für ältere Menschen
Für viele ältere Menschen sind die Selbstbedienungsstellen ein Problem. Sie haben ihr Leben lang persönliche Bankdienste genutzt und stehen nun vor der Herausforderung, ihre Bankgeschäfte an Automaten zu erledigen.
Ein Beispiel hierfür ist die Schließung der Filiale in Kobenz, was bedeutet, dass ältere Personen nach Knittelfeld fahren müssen, um persönlichen Service zu erhalten. Bürgermeisterin Eva Pickl erklärt: „Es bedeutet, dass die ältere Bevölkerung eben nach Knittelfeld in die Stadt fahren muss. Und es ist für viele ältere Leute nicht so einfach.“ Es herrsche derzeit viel Unsicherheit und Unmut deswegen, so Pickl.
Nachteile der Digitalisierung
Auch Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark, bestätigt, dass es für ältere Personen oft schwierig sei, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen – gerade am Land. Ganz grundsätzlich sehe man, dass die immer schneller werdende Digitalisierung in unserem Alltag ältere Menschen oft benachteilige und ausschließe. Und auch wenn wir von klassischen Formen der Altersdiskriminierung sprechen würden, gebe es rechtlich keine Handhabe, so Grabovac.
Recht auf analoge Wege
„Bis jetzt gibt es noch kein Recht auf ein analoges Leben. Es wird aber auf EU-Ebene mit der Verordnung für krisensichere Einrichtungen bestimmt auch noch der Dreh kommen, dass man sagt, man muss Infrastruktur schützen, also da gehören Banken und Postfilialen, Telekommunikation etc. dazu, wo das Recht darauf bestehen muss, dass es analoge Wege weiterhin gibt“, so Grabovac. Für Kobenz ändert das nichts mehr, aber hier zeigt man sich zumindest erleichtert, dass die Selbstbedienungszone mit Bankomat erhalten bleiben wird.