2004 hat Martin Siebenhofer den Betrieb in mehr als 1.200 Meter Seehöhe von seinen Eltern übernommen, aber weder sie noch er könnten sich an so eine Situation wie heuer erinnern, sagt er. Seine Wiesen und Weideflächen seien braun. Sowohl der Winter als auch der Frühling waren schon zu trocken, ganz zu schweigen vom Sommer.
Massive Einbußen
Die Einbußen sind massiv – 60 Prozent weniger Ertrag beim ersten Grünschnitt, 40 Prozent weniger beim zweiten und 50 Prozent weniger beim Dritten, sagt Martin Siebenhofer.
Die Konsequenzen schmerzen ihn: „Ich habe heuer im Winter eine frische, schöne Jungherde gehabt mit prächtigen Tieren und habe mich richtig gefreut. Ich hätte einen Teil als Zuchttiere weiterverkaufen können bzw. selbst genutzt. Jetzt bin ich vor der Situation, dass ich den Bestand abstocken muss. Und ich werde auch versuchen, Zuchttiere an den Mann oder an die Frau zu bringen, was aber extrem schwierig ist, weil Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen“ – so müsse er die Tiere „halb verschenken“.
„Das dicke Ende noch nicht absehbar“
Zum Teil müssen Betriebe Ochsen die eigentlich mit 800 Kilogramm Lebendgewicht verkauft werden sollten, aufgrund des Futtermangels mit 750 Kilogramm verkaufen – weniger Gewicht bringt weniger Geld. Langfristig eine gefährliche Entwicklung, befürchtet der Rinderbauer: „Im Herbst, wenn alle Tiere von den Almen kommen, gehe ich davon aus, dass ein Überangebot vorhanden sein wird und das drückt ganz gewaltig den Preis, da ist das dicke Ende noch nicht absehbar.“
Für viele Rinderzuchtbetriebe sei die aktuelle Situation existenzgefährdend, auch für jene, die Grundfutter zukaufen müssten – denn hier seien die Preise derzeit extrem hoch, weil eben wenig bis gar nichts vorhanden ist.
Region Murtal/Murau denkt über Veränderung nach
Vor allem die Regionen rund um das Murtal oder auch Murau setzen stark auf Grünlandbewirtschaftung, aufgrund der Klimaveränderungen wird auch hier in Zukunft darüber nachgedacht wie es weitergehen muss und kann, sagt Siebenhofer.
„Aufgrund der Region sind wir fast ausschließlich Grünlandgebiet. Grünland braucht aber, um vernünftig wachsen zu können, circa 1.000 Millimeter Jahresniederschlag. Davon sind wir meilenweit weg. Wir geistern irgendwo bei 700 Millimeter herum. Das heißt, im Umkehrschluss, wir sind keine Parade-Grünlandregion mehr. Wir müssten uns was anderes einfallen lassen.“
Aufgrund der Höhenlage seien die Alternativen sehr gering. Ein klassisches Ackergebiet sei nicht möglich. Möglicherweise bestehe über neue Pflanzenzüchtungen die Möglichkeit, vielleicht sei auch nicht auszuschließen, dass in der Gegend auch die Maispflanze Einzug hält, die relativ tief wurzeln kann und somit aus den tiefen Bodenschichten Feuchtigkeit ziehen kann, so der Landwirt.