Lebensmittelproduzent Manfred Hohensinner betreibt mit Hilfe von Geothermie bereits Gewächshäuser in Bad Blumau auf einer Fläche von knapp 40 Fußballfeldern. Ein ähnliches Projekt will er auf rund 18 Hektar Fläche auch in Neudau umsetzen.

Der Bohrplatz, auf dem in der Erde nach 114 Grad heißem Wasser gebohrt werden sollte, ist bereits erschlossen, Bohrungen fanden bisher aber keine statt, laut Hohensinner „nur, weil ein spitzfindiger Unternehmer, der juristisch wahrscheinlich sehr versiert ist, das einfach verhindern möchte“.

Widerstand von Therme bremst Umsetzung

In der Region befindet sich auch die Therme Bad Blumau, und der Thermenbesitzer möchte in der Region ebenfalls Thermalbohrungen durchführen – nur etwa 1.700 Meter von Hohensinners Bohrplatz entfernt. Der Thermenbesitzer und bekannte Unternehmer Robert Rogner ist aber zugleich gegen das Glashausprojekt. Seine Sorge: Die andere Bohrung könnte den Wasserdruck in seiner Therme beeinflussen – mehr dazu in Gewächshausprojekt in Warteschleife (5.2.2026).

Entscheidung lässt auf sich warten

Wer den Vorzug bekommen soll, soll laut dem Gemüseproduzenten die zuständige Behörde des Landes Steiermark klären: „Wenn die Behörden und die Politik feststellen, dass das Projekt Rogner wichtiger ist und besser ist als unseres, dann ist das okay. Aber sie sollen doch entscheiden.“

Steirisches Geothermieprojekt sorgt für Zwist

Geothermieprojekte gelten als Hoffnungsträger der Energiewende. Sie bergen aber auch einiges an Konfliktpotenzial, wie ein Streit zwischen einem Lebensmittelproduzenten und einem Thermenbetreiber in der Oststeiermark zeigt.

Die Landesbehörde spielt den Ball allerdings den Gerichten zu. Diese müssten entscheiden, ob Rogner in dem Bewilligungsverfahren überhaupt mitsprechen darf und ob eine notwendige Probebohrung stattfinden kann. Dabei soll wiederum festgestellt werden, ob die beiden Projekte womöglich auch nebeneinander existieren könnten.

Bereits Angebot aus Kroatien

Hohensinner hängt mit seinem 92-Millionen-Euro-Projekt damit weiterhin in der Luft und schließt nicht mehr aus, notfalls ins Ausland zu gehen: „Ich hätte mir niemals gedacht, dass wir einmal über so etwas reden müssen. Und jetzt sind wir so weit.“ Denn sehr viel mehr Zeit und Energie will Hohensinner in das Projekt in Neudau nicht mehr stecken. Falls es hier nicht funktioniere, gäbe es für ihn schon ein anderes Angebot in Kroatien.

Das wiederum versucht der Neudauer Bürgermeister Wolfgang Dolesch zu verhindern, denn er ist überzeugt, dass von dem Geothermieprojekt die gesamte Region profitieren würde: „Diese 92 Millionen Euro Investition würden bedeuten, dass zum einen die Fernwärmeversorgung von Neudau von Hackschnitzelbasis auf Geothermie umgestellt werden kann und – auch das ist wesentlich für Neudau – dass bis zu 250 Arbeitsplätze direkt aus dem Glashausprojekt heraus entstehen sollen.“

Erste Erträge waren für 2027 geplant

Das neue Gewächshausprojekt in Neudau war von Hohensinner bereits vor einem Jahr angekündigt worden – die Umsetzung sollte in zwei Etappen erfolgen, der Abschluss der ersten Bauphase war bereits für Anfang 2027 geplant, kurz darauf sollte es auch schon erste Erträge geben – mehr dazu in Neues Gewächshausprojekt vor Umsetzung (13.8.2025).

Anfang dieses Jahres geriet das Projekt aufgrund des immer noch anhaltenden Streits schließlich ins Stocken. Laut Bürgermeister Dolesch waren zu diesem Zeitpunkt bereits drei Millionen Euro von den Projektpartnern, unter anderem für die Erschließung des Bohrplatzes, investiert worden.