Durchschnittlich gab es heuer nur 38 statt 230 Liter Regen pro Quadratmeter. Das führte dazu, dass Apfelbäume teils komplett vertrocknet oder gar abgestorben sind. Mit der Ernte musste heuer rund zwei Wochen früher als sonst begonnen werden, die Erntemenge selbst wird laut Landwirtschaftskammer Steiermark auf geschätzt 90.000 Tonnen einbrechen, nach 138.000 Tonnen im Vorjahr.
Die Gründe sind unter anderem Frühjahrsfröste, vor allem aber die lang anhaltende Trockenheit im Sommer, sagten Kammerpräsident Andreas Steinegger und Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) am Donnerstag bei einem Lokalaugenschein auf dem Obsthof Singer in Hartl in der Oststeiermark.
Ohne Bewässerung große Schäden
Obstbauer Josef Singer erklärte dabei aus eigener Beobachtung, wie sich Frost und Trockenheit auf die Äpfel ausgewirkt haben: „In unserem Betrieb ist es sehr unterschiedlich. Wir haben teilweise beregnet. Dort sehen die Kulturen sehr gut aus. Aber wir haben auch Lagen ohne Bewässerung auf steinigen Böden, und dort fangen die Blätter an, sich zu verfärben, abzufallen, und die Früchte sind sehr klein – genießbar, werden aber die Mindestgröße nicht erreichen.“
Die Obstbauernfamilie hat ihren ersten Speicherteich bereits vor 50 Jahren angelegt, mittlerweile gibt es zwei weitere, die zur Frostberegnung ebenso wie zum Bewässern eingesetzt werden – vor allem bei jungen Bäumen. Bei den älteren Bäumen würden die Wurzeln bereits tief genug reichen, so Singer.
Land verspricht weiterhin Förderung
Rund 200 Betriebe – und damit ein Drittel der steirischen Apfelbauern – können die Anbauflächen mittlerweile auf diese Weise künstlich bewässern. Apfelbauern ohne Bewässerung hingegen würden mit der Trockenheit an die Existenzgrenze kommen, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Steinegger: „Jene Flächen, die nicht über Bewässerung verfügen, sind groß gefährdet. Und die Betriebe müssen, wenn sie noch Kapitalkraft haben, natürlich in die Richtung Bewässerung gehen, weil es aus jetziger Sicht auch die einzige Möglichkeit ist.“
Agrarlandesrätin Schmiedtbauer will die Apfelbauern in Sachen Trockenheit daher weiter unterstützen: „Zum einen natürlich die Aufrechterhaltung und Beibehaltung der Hagelversicherung, wo Bund und Land da 55 Prozent der Prämien übernehmen – das macht in der Steiermark rund 16 Millionen Euro aus. Zum anderen bin ich froh, dass wir im Jahr 2024 eine österreichweit einmalige Förderung auf die Beine gestellt haben, nämlich 65 Prozent der Kosten einer Teichanlage werden vom Land Steiermark übernommen.“ Auch im nächsten Jahr soll es die Förderung wieder geben.
Steiermark als Österreichs Hauptanbaugebiet
Rund 76 Prozent der Apfelanbaufläche in Österreich befinden sich in der Steiermark, vor allem im Osten des Bundeslandes. Pro Kopf werden in Österreich rund 16 Kilogramm Äpfel gegessen. Die Hauptsorten in der Steiermark sind nach Erntemenge Gala mit 30 Prozent, gefolgt von Golden Delicious und Evelina mit etwa halb so großer Erntemenge.
Für das Aufziehen sorgen rund 900 Obstbauern auf rund 4.600 Hektar Fläche – sie sichern laut Landwirtschaftskammer in den Betrieben und im Umfeld rund 3.000 Jobs. Der Transportweg eines steirischen Apfels in ein Geschäft beträgt nur rund 150 Kilometer. Bei Äpfeln aus Neuseeland etwa sind es rund 19.000 Kilometer.