Laut Verbund erzeugen die österreichischen Wasserkraftwerke aktuell um rund ein Drittel weniger Strom als üblich. Grund dafür sind die geringen Wasserpegel in den Flüssen.

Tagsüber werden diese Rückgänge weitgehend durch Photovoltaik ausgeglichen. In den Nächten, in denen auch noch wenig Wind weht, muss Strom aber aktuell oft importiert werden, oder es müssen Gaskraftwerke aushelfen.

Kraftwerk Mellach teils hochgefahren

Dazu gehört etwa das Verbund-Kraftwerk Mellach südlich von Graz, das aktuell wieder im Einsatz steht – zumindest betrifft das eine der beiden Maschineneinheiten, die so genannte „Linie 20“: Sie hat eine elektrische Leistung von etwa 417 Megawatt und verfügt über eine Kühlturmkühlung.

Im Gegensatz dazu kann die „Linie 10“, die auf Frischwasserkühlung angewiesen ist, nur eingeschränkt oder gar nicht in Betrieb genommen werden. Ist nämlich die Temperatur der Mur zu hoch, kann das Wasser nicht als Kühlwasser im Gaskraftwerk genutzt werden.

Gleichzeitig würde das Wasser, das in die Mur zurückgeleitet wird, noch wärmer sein als davor, und hier gibt es strenge behördliche Auflagen: Mehr als 25 Grad darf die Mur unterhalb des Kraftwerks nicht aufweisen. Ein ähnliches Problem haben aktuell auch zahlreiche Atomkraftwerke in Europa.

Speicher werden immer wichtiger

Sorgen um die Stromversorgung müsse man sich aber nicht machen, sagt der Verbund, da in Österreich auf einen Strom-Mix aus Photovoltaik, Windenergie, Wasserkraft oder eben auch Gas gesetzt werde. Freitagvormittag etwa wurden 57 Prozent des Strombedarfs in Österreich durch Sonnenenergie abgedeckt, wie aktuelle Daten des Energieministeriums zeigten.

Dennoch werden Speicher in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, heißt es beim Verbund, und auch hier sei auf einen Mix zu achten – aus Pumpspeicherkraftwerken, die Energie aus dem Sommer in den Winter mitnehmen können, und Batterien, die Energie vom Tag in die Nacht mitnehmen können.

Kritik an „verpasster Jahrhundertchance“

Dementsprechend kritisierte die steirische Wirtschaftskammer am Freitag auch das endgültige Aus des Pumpspeicherkraftwerks auf der Koralm – mehr dazu in Pumpspeicherkraftwerk endgültig Geschichte.

Die Kammer spricht in einer Aussendung von einer „verpassten Jahrhundertchance“, das Projekt hätte einen wesentlichen Beitrag zur Speicherung erneuerbarer Energie und zur Stabilisierung der Stromversorgung leisten können. Das Scheitern sei ein „schwerer Rückschlag für Versorgungssicherheit, Energiewende und Wirtschaftsstandort“.