Das Sellraintal, eine gute halbe Stunde von Innsbruck entfernt, ist für seinen direkten Zugang zu Langlauf-, Skitouren- und Wandergebieten bekannt. Via privater und öffentlicher Internetanbieter haben die Bevölkerung aber auch die Touristen im Tal direkten Zugang in die weite, digitale Welt. Die Breitbandagentur des Landes baut derzeit gemeinsam mit der Gemeinde das Glasfasernetz in Gries im Sellrain aus.

Gries ist damit eine von 195 Tiroler Gemeinden, die ein eigenes Glasfasernetz errichten. Nach den Zielen des Breitband Masterplans Tirol sollen bis 2028 75 Prozent der Adresspunkte dieser Gemeinden im Dauersiedlungsraum mit Glasfaser versorgt sein. Laut der Breitband Serviceagentur des Landes sind es derzeit 62,5 Prozent der Kommunen.

Bergretter im Funkloch

Dass trotz zahlreicher Anbieter nicht überall Internetverbindung gewährleistet werden kann, spüren die Bergretterinnen und Bergretter im Sellraintal bei ihren Einsätzen. „Viele unterschätzen das“, sagt Ortsstellenleiter Fabian Kofler. „Wünschen würden wir uns uns den Ausbau vom digitalen Funknetz“, sagt Gerhard Baumann, wie es etwa in den Karwendeltälern der Fall sei.

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In sehr vielen Teil des Einsatzgebietes muss die Bergrettung für die Kommunikation auf den analogen Funk umsteigen, damit seien aber weder die Leitstelle noch die Hubschrauber-Crew erreichbar. Funkbrücken, etwa über Feuerwehrautos seien die Notlösung. Erst vor kurzem sei es passiert, dass man einen schwer verletzten Bergsteiger stundenlang bodengebunden bergen musste.

Ohne Digitalisierung kein attraktiver Arbeitgeber

Für lokale Betriebe im Ort, wie der Tischlerei Holzknecht, ist der Breitbandausbau ausschlaggebend für den unternehmerischen Erfolg. Inzwischen ist die Firma an das Glasfasernetz angebunden. Dreimal höhere Übertragungsraten bei deutlich geringeren Kosten sind die Folge, sagt Marco Holzknecht. Nur dadurch sei die Umstellung auf einen digitalen Betrieb überhaupt möglich.

Ohne Digitalisierung sei man kein attraktiver Arbeitgeber mehr. Auch die Maschinen in der Werkshalle funktionieren mit Internetzugang. Mit den großen Möbelketten als Konkurrenz ist das wesentlich, so Holzknecht. Man müsse als kleiner Betrieb in Maschinen investieren, um billig produzieren zu können. Immerhin müsse man auch noch die Mitarbeiter gut zahlen, damit sie im Betrieb bleiben.

Handy & Digitalisierung

Wie verwenden die Menschen im Sellraintal das Handy, welche Gedanken machen Sie sich zu diesem Thema?

Handyfreie Zeit als Wohltat

Auf der Juifenalm, oberhalb von Gries im Sellrain, müssen Gäste nicht den Flugmodus aktivieren, um offline zu sein. Nur an gewissen Stellen gibt es eine Verbindung. Viele Gäste würden im ersten Moment zwar verzweifelt nach Empfangsstrichen am Display suchen, die Ruhe dann aber sehr schätzen, sagt Almwirtin und Hüttenpächterin Sylvia Stern.

Sie und ihre Familie verbringen den Großteils des Sommers seit Jahren ohne Empfang. Es sei viel weniger stressig und man greife viel seltener zum Handy, weil man weiß, es kommt Nichts an. Im letzten Sommer hätten die Praktikanten bei Schlechtwetter tagelang ausgeharrt – ohne Handy aber mit Kartenspielen und Gesprächen.

Vor kurzem sei in der Nähe der Alm Starlink für den Betrieb einer landwirtschaftlichen Technik getestet worden, sagt Sylvia Stern. Jetzt sei es zum Glück wieder weg, sie brauche das nicht, sagt die Hüttenwirtin, überzeugt und mit beeindruckender Ruhe.