Bei der Lebenshilfe Tirol machen jedes Jahr 100 bis 110 Menschen ihren Zivildienst. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe Georg Willeit sieht die Möglichkeit einer Verlängerung auf elf Monate Zivildienst positiv. Er sieht darin eine Chance, die Arbeit von Zivildienern langfristig zu stärken und die Qualität der Unterstützung für Menschen mit Behinderungen weiter auszubauen.
Eine längere Verweildauer würde zahlreiche Vorteile mit sich bringen, so Willeit: „Zivildiener haben mehr Zeit, sich in ihre Aufgaben einzuarbeiten und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig entstehen stabile Beziehungen zu den Menschen, die sie begleiten. Gerade diese Kontinuität ist in der Begleitung von Menschen mit Behinderungen von großer Bedeutung.“
Fehlende Möglichkeit einer Ausbildung
Allerdings wäre noch mehr drinnen gewesen, sagt Willeit: „Wenn es nach uns gehen würde, dann wäre es klug gewesen, darüber hinaus Ausbildungen vorzusehen und anzubieten, die zu einer Berufsqualifikation führen. Die wäre auch eine der Empfehlungen der Wehrdienstkommission gewesen.“
Soldaten werden in Zukunft statt bisher 630 Euro mit 1.000 Euro pro Monat deutlich mehr bekommen als Zivildienende. Willeit sieht darin keine große Gefahr für den Zivildienst, denn die jungen Männer würden hier eine Grundsatzentscheidung treffen. Allerdings solle die Diskrepanz auch nicht zu groß sein.
Bundesheer: Höhere Schlagkraft für die Truppe
Zufrieden zeigt man sich auch beim Bundesheer. Dort begrüßt man, dass Milizübungstage eingeführt werden. Positiv sieht man auch, dass ein Teil der Übungen direkt an den Grundwehrdienst angehängt werden soll. Damit könne man auch die Schlagkraft der Truppe erhöhen.
Derzeit heißt es, dass unmittelbar nach dem Grundwehrdienst verpflichtende Truppenübungen stattfinden. Zudem müssten innerhalb von zehn Jahren Milizübungen absolviert werden.
Opposition im Parlament muss mitspielen
Inkrafttreten soll die Neuregelung ab 1. Jänner des kommenden Jahres. Dafür sind aber noch Verhandlungen mit der Opposition nötig, braucht es doch für die Verlängerung des Zivildienstes eine Zweidrittelmehrheit. Laut Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) könne eine Verlängerung des Wehrdienstes nicht ohne eine Verlängerung des Zivildienstes beschlossen werden.