Der Verein „Wölfe in Österreich“ bezieht sich in einer Presseaussendung dabei auf das Umweltinformationsgesetz (UIG). Demnach soll das Land Tirol am 11., 12., 14., 16. und 20. Juni 2026 Informationen aus einem italienischen Forschungsprojekt über den Wolf Mirco erhalten haben. Diese Daten wurden offenbar an den Tiroler Jägerverband weitergegeben, das bestätigt auch das Land. Einen Tag nach der letzten dokumentierten Übermittlung wurde der mit einem GPS-Halsband ausgestattete Wolf im Gemeindegebiet von Pill erschossen.
Aus der behördlichen Antwort geht laut dem Verein „Wölfe in Österreich“ jedoch nicht hervor, an wen innerhalb der Jägerschaft die Informationen weitergeleitet wurden und wie diese verwendet wurden. Ebenso liegen dem Land nach eigenen Angaben keine Informationen darüber vor, ob vor dem Schuss überprüft wurde, ob es sich bei Mirco tatsächlich um jenen Wolf handelte, dessen Sichtungen die Abschussverordnung ausgelöst hatten.
Fehlende Angaben zur Kontrolle
Offen bleibt laut UIG-Antwort auch, ob das Senderhalsband vor dem Abschuss erkannt oder kontrolliert wurde. Das Land Tirol habe dazu keine Informationen vorliegen, hieß es. Der Verein „Wölfe in Österreich“ sieht darin offene Fragen rund um den Abschuss des Forschungswolfs.
„Tirol gab Mircos Standortdaten an die Jägerschaft weiter, kann aber nicht dokumentieren, dass vor dem Schuss Identität und Senderhalsband überprüft wurden. Das muss lückenlos aufgeklärt werden“, sagte Gerald Friedl, Obmann von „Wölfe in Österreich“.
Der Verein betonte zugleich, dass die UIG-Antwort keinen Beweis dafür liefere, dass Mirco mithilfe seiner Senderdaten gezielt aufgespürt wurde. Die zeitliche Abfolge sowie die fehlende Dokumentation würden jedoch „schwerwiegende Fragen“ aufwerfen.
Land bezeichnet Angaben als grob zeitversetzt
Das Land bezeichnete die Angaben als ungenau und zeitversetzt, nicht als Echtzeitkoordinaten. Es sei auszuschließen, dass „die Entnahme des betreffenden Wolfs im Zusammenhang mit den dem Land Tirol und in weiterer Folge dem Tiroler Jägerverband zur Verfügung gestellten Daten“ stünde, so das Land Tirol in einer Stellungnahme gegenüber dem ORF Tirol. Es handle sich weder um Echtzeitdaten (mehrere Tage alt), noch um eine genaue Verortung.
„Das Land Tirol unterstützt das wissenschaftliche und grenzüberschreitende Wolfsmonitoring im Alpenraum aktiv und betreibt in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft ein umfassendes Monitoring. Gerade deshalb wird transparent kommuniziert, dass das entnommene Tier ein Senderhalsband trug“, so das Land in einer Stellungnahme. Gleichzeitig würden für besenderte und nicht besenderte Wolfsindividuen dieselben rechtlichen Bestimmungen gelten.
„Entnahme-Verordnungen des Landes beziehen sich grundsätzlich auf das Verhalten beziehungsweise die Zuordnung eines Tiers der Art Wolf innerhalb eines definierten Gebietes. Wissenschaftliche Beobachtungen – so wertvoll sie unbestritten sind – ersetzen nicht die rechtlichen Voraussetzungen, die sich aus einer aufrechten Entnahmeverordnung ergeben“, hieß es vom Land Tirol.
Verein fordert Offenlegung
„Wölfe in Österreich“ fordert nun die Offenlegung der vollständigen Informationskette sowie aller Empfänger innerhalb der Jägerschaft. Zudem solle auch der Abschussbericht veröffentlicht werden. Nach Ansicht des Vereins müsse geklärt werden, welchem Zweck die Weitergabe der wissenschaftlichen Standortinformationen diente.
Außerdem fordert der Verein Angaben dazu, welche Schutzvorkehrungen für den besenderten Wolf bestanden. Weitere Informationen dazu gehen aus der UIG-Antwort laut den vorliegenden Angaben nicht hervor.