Wer diese nicht hat, müsste länger als bis 65 arbeiten. Für Eltern würde Mattle Betreuungsjahre als Arbeitszeit einrechnen.

Einen ähnlichen Vorstoß hatte zuletzt Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec (ÖVP) lanciert. Sie zeigte sich gegenüber einer Erhöhung des Pensionsalters offen. Das Antrittsalter dürfe aber nicht vom biologischen Alter abhängen, sondern von den Berufsjahren – ob das 40, 42 oder 45 Jahre sind, darauf müsse man sich einigen, meinte sie zuletzt. Der SPÖ-Pensionistenverband lehnte diesen Vorschlag freilich ab.

Rückendeckung aus eigenem ÖVP-Regierungsteam

Rückendeckung für den Vorstoß Mattles kam umgehend aus dem eigenen ÖVP-Team in der Tiroler Landesregierung. Landesrätin Astrid Mair, in ihrem Ressort unter anderen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zuständig, sprach in einer Aussendung von einem richtigen Ansatz: „Wir müssen die Beitragsjahre werten, nicht nur das Antrittsalter am Papier, das häufig nicht erreicht wird. Es ist nur gerecht, dass auch jene 45 Jahre lang beitragen, die später ins Berufsleben starten, bevor wir jene stärker belasten, die mit 15 oder 16 im Zuge einer Lehre zu arbeiten begonnen haben.“

Das sei eine Frage der Leistungsgerechtigkeit und bilde auch ab, dass man geistige und körperliche Arbeit unterschiedlich lange ausüben kann“, betonte die ÖVP-Landesrätin.

Ablehnung von Bundes-SPÖ und Tiroler Freiheitlichen

Auf Bundesebene bekräftige von SPÖ-Seite Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim die Kritik am Mattle-Vorschlag: „Hackln bis 70 wird es mit der SPÖ nicht geben.“ Der Vorschlag, den Pensionsantritt an die Arbeitszeit zu koppeln, würde Akademikerinnen und Akademiker deutlich benachteiligen und die Arbeitslosigkeit unter älteren Menschen stark ansteigen lassen, so der SPÖ-Parteimanager.

In Tirol meldeten sich die Freiheitlichen mit Widerstand gegen den Pensionsvorschlägen des Tiroler ÖVP-Chefs und Landeshauptmanns. „Jegliche Eingriffe ins Pensionssystem müssen durchdacht sein, die nunmehr erhobene Forderung von Mattle beweist, dass diese Aussage nicht durchdacht ist“, reagierte der Landtagsabgeordnete Patrick Haslwanter auf Mattles Forderung. Sie laufe darauf hinaus, dass die Menschen länger arbeiten sollen. Das gehe aber an der Realität vieler vorbei, „die in körperlich und psychisch fordernden Berufen täglich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und nach 40 oder mehr Jahren einfach nicht mehr können“.

Debatte über Pensionsalter wird von NEOS begrüßt

Völlig anders sehen das NEOS, die sich über neue Bewegung in der Debatte über das Pensionsantrittsalter freuen. Angesichts der demografischen Entwicklung dürfe diese Frage kein politisches Tabu sein, befand Sozialsprecher Johannes Gasser. Bereits jetzt fließe mehr als jeder vierte Euro aus dem Budget in die Pensionen, bis zum Ende der Legislaturperiode werde es fast jeder dritte sein, so der NEOS-Sozialsprecher akuten Handlungsbedarf.