Es brauche etwa einen Bürokratieabbau im Bereich der Melde- und Dokumentationsvorschriften sowie eine Reduzierung der Nachhaltigkeitsvorschriften, sagte Höller im APA-Interview. Durch die Bankenabgabe fehle wiederum Geld, um die „Wirtschaft zu finanzieren“.
Höller, die seit 35 Jahren im Bankgeschäft tätig ist, betonte, „nichts gegen Regeln“ zu haben. Diese würden einen „Rahmen definieren“, was „an sich nichts Schlechtes sein muss“, erklärte die seit März amtierende neue Vorstandssprecherin sowie Risiko- und Finanzvorständin der landeseigenen Bank.
In Österreich wurde „nur dazugeschrieben“
In Österreich bzw. Europa sei in den vergangenen Jahren jedoch, was bürokratische Regularien betrifft, „nur dazugeschrieben worden“. „Es wurde nicht bei jeder Runde an neuer Gesetzgebung geschaut, ob nicht etwas, was früher beschlossen wurde, schon wieder überholt ist“, bemängelte die 58-jährige gebürtige Tirolerin: „Das Wegfallen fehlt. Es kommt immer nur etwas dazu.“ Ein „Durchforsten“ wäre daher dringend angeraten und wünschenswert.
Sie halte alle Kapital- und Liquiditätsvorschriften für „sehr in Ordnung“, stellte die Hypo Tirol-Vorstandschefin voran. Und sie sei zwar weit davon entfernt, die USA als großes Vorbild zu sehen, aber: Im Bereich der Bürokratie hätten die Amerikaner „mutige Schritte gesetzt und gewisse Dinge einfach abgeschafft“.
Nachhaltigkeit wurde überfrachtet
Sorgen bereiteten Höller auch die vor allem von der europäischen Ebene vorgeschriebenen, aber auch in Österreich nachvollzogenen Vorschriften, was die Nachhaltigkeit betreffe. Das Nachhaltigkeitsthema mit Maßnahmen sei per se sehr wichtig und richtig, aber nicht der Umgang bzw. das, was draus gemacht worden sei.
Sie trete auch nicht dafür ein, dass man das Thema Nachhaltigkeit „zur Gänze abschafft“, wie das in den USA passiert sei, aber: „Was wir aus Nachhaltigkeit gemacht haben – das hätte man besser machen können. Wir haben es einfach überfrachtet.“ Die nachgezogenen, sogenannten „EU-Omnibus-Regeln“ hätten dann zwar Erleichterungen für kleinere Unternehmen in Bezug auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung gebracht, aber es seien „nur kleine Teile herausgenommen worden“, bemängelte Höller unzureichende Korrekturen.
"Bürokratie hat volle Leistung erbracht
„Bei vielen Unternehmen führt der Bereich Nachhaltigkeit zu Haarausfall, anstatt dass man sich noch gerne damit auseinandersetzt. Es ist für die Menschen auch nicht verständlich. Die Bürokratie hat hier eine volle Leistung erbracht“, meinte die Hypo Tirol-Vorstandssprecherin. Man brauche einen „langfristigen Plan“: „Man wird nicht alle Gas-Etagenheizungen im Zeitraum von fünf Jahren hinausschmeißen können. Das wird nicht funktionieren.“
Bankenabgabe „weder sinnvoll noch wirtschaftlich“
Die von der Bundesregierung zuletzt für weitere drei Jahre verlängerte Bankenabgabe in der Höhe von 300 Mio. Euro pro Jahr nannte Höller „weder sinnvoll noch wirtschaftlich“ und ging dabei mit Branchensprecher Michael Höllerer konform.
„Eines ist klar: Alles, was man uns wegsteuert, fehlt uns, um es wieder in die Wirtschaft in Form von Krediten hineinzugeben. Ich habe das Geld nicht doppelt“, machte die Vorständin klar. Das Geld fehle, um es wieder in den Wirtschaftsstandort Tirol zu investieren, Unternehmen und Kindergärten zu finanzieren. Letzteres sei aber die Funktion vor allem einer Landesbank.